Exotengarten-Irrtümer Gärtnern im Grenzbereich

Die Freiland-Kultivierung von Exoten birgt gerade in den rauen Gegenden Deutschlands immer noch viele Fragezeichen. Auf der Suche nach Antworten haben sich auch Irrtümer eingeschlichen, Irrtümer, die sich dank Social Media und ständiger Wiederholungen als vermeintliches Allgemeinwissen verselbstständigt haben. Die größten Exoten-Irrtümer…

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Manche Exoten-Irrtümer basieren auf Unwissen von Exoten-Neulingen, Punkte, in denen sich die Exoten-Experten aber i.d.R. einig sind. In nachfolgender Liste geht es um Punkte, in denen sich selbst die Exoten-Experten nicht immer einig sind.

KategorieGerüchtFaktenlage
PflegeBaumfarne vertragen keine Bewässerung direkt in den ‚Stamm-Trichter‘Der ‚Stamm‘ des Baumfarns ist eigentlich ein oberirdisches Wurzelgeflecht, welches der direkten Aufnahme des Regenwassers dient. In seiner Heimat im tropischen Regenwald werden die oberirdischen Wurzelenden ständig feucht gehalten. Bei uns sollte man die an der äußeren Seite des ‚Stamms‘ liegenden Wurzelenden gerade an heissen, trockenen Sommertagen immer mal wieder gießen, damit sie nicht vertrocknen. Der Umkehrschluss ist aber falsch: natürlich haben Baumfarne überhaupt kein Problem, wenn Wasser (statt an der ‚Stamm‘-Aussenseite) über den oben offenen ‚Stamm‘ direkt ins ‚Stamm‘-Innere fließt. Das passiert nämlich auch im Regenwald ständig. Aufpassen sollte man nur im Winter, falls das Wasser im ‚Stamm-Trichter‘ steht und dann gefriert.
Olivenbäume dürfen nur wenig gegossen werdenOlivenbäume stammen aus sehr heissen Gebieten, wo es oftmals lange Dürrephasen gibt. Von daher kommen Olivenbäume mit wenig Wasser aus. Der Umkehrschluss ist aber falsch: ausgiebige und häufige Bewässerung schadet dem Olivenbaum (bis zu einem gewissen Maß) nicht. Im Gegenteil: Olivenbäume zeigen gerade dann ein sehr gesundes und rasches Wachstum.
Palmen dürfen nur wenig gegossen werdenDahinter steckt die Annahme, dass Palmen generell aus trockenen, heissen Gegenden kommen. Dem ist aber nicht so. Es gibt Palmenarten, die aus extrem regenreichen Gegenden kommen wie z.B. die bei uns sehr beliebte chinesische Hanfpalme, die man praktisch nicht überwässern kann.
SchutzHanfpalmen benötigen im Winter einen RegenschutzÜberlebt eine Hanfpalme den Winter nicht, so äußert sich dies meist durch die sogenannte Herz- oder Speerfäule. Hierbei lassen sich die Speere und ggf. sogar das ganze Palmenherz mit wenig Kraft herausziehen, da sie in der Wachstumsöffnung vergammelt sind. Fälschlicherweise gehen die meisten davon aus, dass die Fäule durch Wassereintritt von oben in die Wachstumsöffnung erfolgt, weshalb sie der Palme ein Regendach gönnen. Dass das nicht der Grund sein kann, sollte klar sein, wenn man sich vor Augen führt, dass es am Naturstandort ähnlich viele Niederschläge gibt wie bei uns. Vielmehr kommt die Herz- und Speerfäule ‚von unten‘: lang-anhaltender, tiefer Bodenfrost führt dazu, dass das Palmenherz unterversorgt ist. In 1. Instanz führt dies zu einer Unterversorgung der Wedel, bis diese absterben. Hält der Frost länger an, stirbt auch das Herz und vergammelt. Hanfpalmen benötigen im Winter also kein Regendach, sondern vorallem einen guten Wurzelschutz.
Hanfpalmen erfieren im WinterHanfpalmen sind ziemlich frosthart (etwa -17°). Obwohl diese Temperaturen vielerorts im Winter nicht erreicht werden, sterben dort trotzdem gelegentlich Hanfpalmen. Warum? Hanfpalmen sind immergrüne Pflanzen, die ganzjährig Wasser verdunsten und daher auch im Winter einen gewissen Wasserbedarf haben. Wenn der Boden bei langanhaltendem Dauerfrost tief gefriert, kommt die Wurzelfunktion zum Erliegen (Frosttrocknis). Die Pflanze kann nicht mehr ausreichend versorgt werden. Pflanzenteile sterben und gammeln. Es kommt zur Speer- und schließlich zur tödlichen Herzfäule. Frosttrocknis ist bei uns die Todesursache Nr. 1 für Hanfpalmen, nicht das Erfrieren. Um dem vorzubeugen, sollte man das Wurzelwerk im Winter z.B. durch eine dicke Mulchschicht (>30cm) vor einem Gefrieren schützen. Frostschutz ist also die Basis, um Hanfpalmen im Winter vor dem Verdursten zu schützen. Ein Bewässern der Palme bei Dauerfrost / tief-gefrorenem Boden wäre i.ü. wirkungslos und sogar fatal.
Oleander überleben unsere Winter nichtOleander ist bei uns eine der beliebtesten Kübelpflanzen. Dauerhaft ausgepflanzt findet man den Oleander dagegen äußerst selten. Das hat seine Gründe. Keine Frage, Oleander auszupflanzen ist ein Wagnis. Trotzdem: wählt man eine geeignete Sorte und sorgt für angemessenen Winterschutz, so kann sich ein Oleander auch in unseren Breitengraden gut entwickelt (Erfolgsgeschichte Oleander).
Frosthärte lässt sich anerziehenImmer wieder liest man, dass man Pflanzen peu a peu abhärten kann. Richtig ist, dass Pflanzen im Alter meist frosthärter werden, da z.B. der Stamm und die Zweige dicker werden und die Pflanze tiefer verwurzelt ist. Richtig ist aber auch, dass Pflanzen eine genetisch-bedingte Frostgrenze haben, die i.d.R. nur marginal durch Abhärtung verschoben werden können. Bei einer Hanfpalme kann die Frosthärte z.B. kann nur um +/-1° modifiziert werden.
Luftpolsterfolie ist als Winterschutzmaterial ungeeignetEine Verpackung einer Pflanze mit Luftpolsterfolie ist praktisch luftdicht. Das führt dazu, dass im Schutzbau (gerade bei Sonneneinstrahlung) schnell Schwitzwasser entsteht, was die Pilzgefahr extrem erhöht. Außerdem kann die Temperatur im Luftpolster-Schutzbau bei Sonneneinstrahlung tagsüber sehr schnell steigen, so dass es im Schutzbau extreme Temperaturschwankungen zwischen Tag + Nacht gibt, die Pflanzen oftmals schlecht vertragen. Richtig ist aber auch, dass Luftpolsterfolie aufgrund seiner Luftdichte sehr gut gegen extreme Fröste isoliert. Gerade in den rauen Gegenden Deutschlands kann diese Isolation bei Extremfrost überlebenswichtig sein oder zumindest die Heizkosten (bei aktivem Schutz) stark minimieren. Dieser Schutz funktioniert natürlich nur dann, wenn man den Schutzbau bei jeder sich bietenden Gelegenheit belüftet, um die Pilzgefahr zu minimieren.
Mangelerscheinungen + KrankheitenWeisse Gespinste auf Blättern deuten auf Wolllaus-Befall hinKaum ein Schädling ist einfacher zu identifizieren als die Woll- bzw. Schmierlaus. Sieht man weisse Gespinste an Zweigen, auf Blättern oder Blütenknospen, so ist das zweifelsfrei die Wollaus. Außer man findet solche Gespinste auf Olivenbäumen. In dem Fall kann es sich genauso gut um den Ölbaumblattfloh handeln.

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