Ist Weihnachtsbeleuchtung noch zeitgemäß? Exotengarten-Geschnatter

Weihnachtsbeleuchtung ist in Deutschland ein beliebtes Diskussionsthema. Oft verschwimmen hierbei die Grenzen zwischen rechtlichen, kirchlichen, ökologischen, biologischen und ästhetischen Aspekten. Ab wann dürfen Haus + Garten weihnachtlich geschmückt werden? Was ist noch im geschmacklichen Rahmen und ab wann ist es einfach aus Energiegründen nicht mehr vertretbar? Ist Weihnachtsbeleuchtung überhaupt noch zeitgemäß?

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Wir lieben unseren Garten und setzen ihn daher gerne auch mit entsprechender Beleuchtung in Szene. Weniger für andere Leute, sondern vorallem für uns selber.

Unser Garten ist ganzjährig beleuchtet mit ‚unzähligen‘ Lampen, Lichtstreifen und Lichterketten. Ein wahres lichtermeer! In lauen Sommernächten gibt es für uns nicht Schöneres, als bis weit in die Nacht im beleuchteten Garten zu sitzen und den Garten draussen zu genießen. Und auch im Winter macht uns der Blick in den beleuchteten Garten viel Freude. Zur Weihnachtszeit hin – z.T. auch vor Totensonntag – wird dann nochmal ‚aufgerüstet‘.

Was mich diesbezüglich etwas nachdenklich gestimmt hat, war jüngst eine Diskussion in den sozialen Medien: darf man seinen Garten bereits vor Totensonntag weihnachtlich beleuchten?

Ich würde die Frage gerne weiter fassen: ist Weihnachtsbeleuchtung überhaupt noch zeitgemäß?

Rechtliche Bedenken

Für alle ‚Unwissenden‘: Totensonntag ist der letzte Sonntag vor dem 1. Adventssonntag zwischen 20. + 26.11., ein evangelischer Trauertag, der der Erinnerung an die Verstorbenen dient. Er ist gesetzlich in allen deutschen Bundesländern als ’stiller Tag‘ zu handhaben. Aus diesem Grund gibt es an diesem Tag z.B. bundesweite Tanzverbote.

Hinsichtlich Weihnachtsbeleuchtung – insbesondere auf Privatgrundstücken – gibt es aber rechtlich keine Vorschriften.

Religiöse Bedenken

Für die Kirche ist Totensonntag auch der letzte Tag des Kirchenjahres. Am Tag danach beginnt das neue Kirchenjahr mit der Vor-Weihnachtszeit. Da Weihnachten ein christliches Fest ist, wünscht die Kirche, mit der Weihnachtsbeleuchtung und Weihnachtsmärkten erst nach Totensonntag zu beginnen.

Obwohl ich mit der Kirche nicht in allen Punkten konform gehe, muss ich zugeben, dass mich dieser Punkt nachdenklich stimmt: wenn man schon ein christliches Fest feiert, sollte man sich auch an entsprechende Regeln halten…

Ökologische Bedenken

Nachhaltigkeit ist nicht erst seit Greta Thunberg ein Riesen-Thema. Zurecht, wie ich finde.

Schaut man sich die Weihnachtsbeleuchtung in manchen Gärten an, so kann man sich die Frage stellen: was kostet das an Energie? Ist das noch ökologisch vertretbar?

Ich verwende bei mir im Garten ausschließlich energieschonende LEDs, die ich zeitgesteuert 6h pro Tag anschalte. LED-Leuchten (z.B. Philips Hue) und LED-Lichterketten verbrauchen i.d.R. weniger als 10W. Bei 6h pro Tag komme ich pro Leuchte auf 60Wh pro Tag. Bei Stromkosten von 30 Cent/kWh macht das knapp 2 Cent pro Leuchte und Tag bzw. etwa 50 Cent pro Leuchte für die komplette Weihnachtszeit.

Ein gewöhnlicher Kühlschrank verbraucht etwa 2.4kWh pro Tag. Damit könnte ich eine Weihnachtsbeleuchtung mit 40 LED-Leuchten versorgen. Der Energieverbrauch einer zeitgesteuerten LED-Weihnachtsbeleuchtung hält sich also wirklich im ökologisch-vertretbarem Rahmen.

Biologische Bedenken

Alle Lebewesen sind an den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus angepasst. Die Dunkelheit dient der Regeneration. Nachtaktive Tiere werden dagegen bei der Fortpflanzung und ihren Beutezügen durch künstliche Gartenbeleuchtung irritiert.

Ich setze ausschließlich LED-Licht ein, welches keine UV-Anteile enthält und daher weniger Insekten anlockt.

Außerdem wird meine Gartenbeleuchtung per Zeitschaltuhr gesteuert. Im Winter ist die Gartenbeleuchtung nur 6h zwischen 17:00-22:00 Uhr sowie 6:30-7:30 Uhr an. Pflanzen und Tiere bekommen also weiterhin genügend Zeit zum Regenerieren + Jagen.

Ästhetische Bedenken

Ich denke, es gibt eine ganze Menge gute Gründe, warum es sich hier bei uns in Deutschland aktuell wunderbar lebt. Vorallem fühlt man sich ziemlich sicher, was das Wirtschaftliche, Kriege + Kriminalität oder auch Umweltkatastrophen betrifft.

Dieser Erfolg hat u.a. mit unseren deutschen Tugenden zu tun: Verlässlichkeit, Gründlichkeit, immer mit hoher Präzision.

Zu unseren Tugenden gehört aber auch, dass wir manchmal etwas spießig-konservativ sind. Wir mögen es eher dezent. Bloß nicht auffallen!

Die Weihnachtsbeleuchtung ist hierbei sinnbildlich: bloß nicht zu kittschig-amerikanisch, bunt + überladen. Geschmack ist und bleibt aber Geschmackssache…

Fazit

Rechtliche Bedenken gibt es hinsichtlich Weihnachtsbeleuchtung glücklicherweise noch nicht.

Auch, wenn Weihnachtsbeleuchtung sicher kein Beitrag für eine nachhaltige Welt ist: mit LED-Leuchten hält sich der ökologische Fußabdruck zum Glück – gerade im Vergleich zu sonstigen Ernergieverbrauchern – im Rahmen. Auch aus biologischer Sicht ist eine Weihnachtsbeleuchtung mit zeitgeschalteten LED-Leuchten vertretbar.

Aus religiösen Gründen werde ich die nächsten Jahre darauf achten, dass die Beleuchtung am Totensonntag komplett aus bleibt. Und spezielle Weihnachtsbeleuchtung werde ich zukünftig wirklich erst nach Totensonntag anschalten.

Trotz aller ästhetischen Bedenken möchte ich mich bei der Gestaltung meiner Weihnachtsbeleuchtung aber weiterhin nicht einschränken lassen. Wir lieben unseren opulent beleuchteten Garten, vorzugsweise in warmweiss, gerne zu bestimmten Anlässen wie z.B. Weihnachten aber auch mal mit farblichen Akzenten. Mögen die Hüter deutscher Ästhetik mir das Bling-Bling nachsehen…


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