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Hormonbehandlung von Pflanzen Exotengarten-KnowHow

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    Die Hormonbehandlung mit Auxin hat etwas von einem mystischen Hexengebräu, das nur in der Hand des Meisters seinen wahren Zauber versprüht.

    Hormonbehandlung
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    Pflanzen steuern ihre Entwicklungsprozesse maßgeblich über 5 pflanzeneigene Hormone, sogenannte Phytohormone. 3 dieser 5 Phytohormone – Auxin, Gibberellin und Cytokinin – sind wachstumsfördernde Hormone, während die anderen 2 – nämlich Ethylen und Abscisinsäure – wachstumshemmend sind.
    Möchte man als Gärtner das Wachstum seiner Pflanzen beeinflussen, so lassen sich Phytohormone auch im Handel – i.d.R. bereits in verabreichbarer, flüssiger Form – kaufen. Auxin ist hierbei wohl das bekannteste Phytohormon. Es wird zur besseren Bewurzelung von Pflanzen genutzt. Daneben findet man gelegentlich Giberellin bzw. Giberellinsäure im Handel, meist in Pulverform. Es kann zur besseren / schnelleren Keimung von Pflanzen eingesetzt werden.

    Was ist Auxin?

    Auxin ist – auch, wenn man das oftmals anders liest – kein Dünger, sondern ein natürlicher Botenstoff, ein Streckungshormon, welches Gefäßpflanzen (Pflanzen, die Leitbündel zum Transport von Wasser und Nährstoffen besitzen) und Laubmoose zur internen Kommunikation nutzen. Auxin wird vom Blattwerk als Hilferuf an die Wurzeln ausgesendet, wenn das Blattwerk nicht mehr ausreichend (mit Wasser, Nährstoffen oder Licht) versorgt wird. Das Wurzelwerk reagiert darauf je nach Dosierung mit mehr oder weniger starkem Wachstum. In der Natur kommen Auxine hauptsächlich als Indol-3-Essigsäure (IAA) vor.
    Bei den Phytohormonen gibt es neben Auxin u.a. die Gruppe der Cytokinine. Während Auxin ein aus dem Blattwerk entsandter Botenstoff ist, der die Wurzelbildung anregt, wird Cytokinin umgekehrt von den Wurzeln entsandt, um Blatt- und Blütenbildung anzuregen.
    Die bekanntesten Auxin-Produkte im Handel sind Superthrive, GardenPalms Booster und FloraSprint. Es handelt sich hier jeweils um Konzentrate aus Auxin und verschiedenen Vitaminen, die stark mit Wasser verdünnt werden müssen. Diese Produkte basieren i.d.R. nicht auf Indol-3-Essigsäure (IAA), da IAA in wässriger Lösung instabil ist.
    Auxinlösungen dürfen aufgrund fehlender Zulassung in Deutschland i.ü. nicht gewerblich verkauft werden. Der Bezug über das Internet ist aber legitim.
    Man kann sich solche Auxin-Produkte auch sehr günstig selber mixen: dazu benötigt man Indol-3-Essigsäure (IAA) oder 1-Naphthylessigsäure (NAA). Beides wird Online immer mal wieder angeboten und bekommt man für etwa 1€/g. Um 1l Auxinlösung herzustellen, mischt man 0.5g IAA / NAA mit 200ml Spiritus (oder alternativ 100ml Aceton) und füllt das Ganze mit Wasser auf. Für 1l Superthrive zahlt man demgegenüber z.B. Minimum 100€.

    Wirkung von Auxin

    Durch Verabreichung von Auxin wird der Pflanze suggeriert, dass ihre Blätter und Blüten nicht ausreichend versorgt sind. Infolge wird insbesondere das Streckungswachstum (Längenwachstum von Wurzeln + Sprossachse) angeregt. Auxin wird daher vorallem eingesetzt, um bei Auspflanzungen für ein rasches Anwurzeln der Pflanzen (vor dem 1. Winter) zu sorgen.
    Die Reaktion von Pflanzen auf Auxin kann dabei im Detail durchaus variieren: während Palmen z.B. mit starkem Wurzelwachstum reagieren, reagieren Bananen mit vermehrter Kindelbildung oder Yuccas neben dem Wurzelwachstum z.T. mit der Bildung weiterer seitlicher Triebe.
    Die Wirkung von Auxin kann man auch in der Natur wunderbar beobachten: wenn Pflanzenteile zu wenig Licht bekommen, schütten sie Auxin aus, mit der Konsequenz, dass sich die Pflanze auf der lichtschwachen Seite (Schattenseite) ’streckt‘ / schneller wächst, wodurch sich die Pflanze automatisch Richtung Licht neigt (sogenannte ‚Schattenflucht‘ bzw. ‚Schattenvermeidungsreaktion‘). Manche Gärtnereien nutzen diesen Effekt (Phototropismus), um durch Lichtentzug für schnelleres Wachstum zu sorgen. Diese ‚vergeilten‘ Pflanzen haben dann i.d.R. einen langen, dünnen Stamm und überlange Stiele bzw. Äste.
    Obwohl Auxine in der Landwirtschaft sowie im Obst- und Gartenbau bereits eine sehr breite Anwendung finden, gehen die Meinungen bzgl. der Wirkung einer zusätzlichen Auxin-Gabe im privaten Bereich z.T. weit auseinander. In Expertenforen sind hierzu seit Jahren wahre Glaubenskriege im Gange.

    Dosierung von Auxin

    Auxin fördert bei korrekter Dosierung das Wachstum, während eine zu hohe Dosierung oder eine zu häufige Anwendung bei der Pflanze zu Irritationen führen kann, worauf sie mit (starker) Wachstumshemmung reagiert.
    Anwendung / Dosierung bei Palmen
    Über die Dosierung der Auxin-Wasser-Mischung wird bei Palmen entweder das Wachstum der Adventiv- oder das der Haarwurzeln angeregt.
    Sind viele Blätter der Palme unterversorgt, so wird von den Blättern auch viel Auxin ausgeschüttet, woraufhin die Palme versucht, ihr Wurzelwerk über neue Hauptwurzeln (Adventivwurzeln) zu vergrössern und so ihr Einzugsgebiet bzgl. Wasser + Nährstoffen zu erweitern. Sind dagegen nur vereinzelte Blätter unterversorgt, so wird entsprechend weniger Auxin ausgeschüttet, was die Palme dazu veranlasst, einfach ihr bestehendes Wurzelwerk durch Bildung weiterer Haarwurzeln zu verfeinern.
    Die Auxin-Dosierung ist also ganz entscheidend. Es empfiehlt sich in etwa folgende Dosierung:

    • Anregung Adventivwurzel-Wachstum: 15-20ml/10l
    • Anregung Haarwurzel-Wachstum: 2-3ml/10l

     
    Bei dem bekannten Auxin-Produkt ‚Superthrive‘ entspricht das etwa 1 Kappe (bei Haarwurzeln) bzw. 4-5 Kappen (bei Adventivwurzeln) Superthrive auf 10l Wasser. Superthrive empfiehlt i.ü., das Mittel innerhalb von 2 Jahren nach Öffnung zu verbrauchen.
    Auxin sollte vorallem nach Aus- / Umpflanzung einer Palme verabreicht werden, um für ein schnelles, gutes Anwurzeln zu sorgen. Idealerweise wird der Wurzelballen der Palme zur Anregung des Adventiv-Wurzelwachstums bereits vor dem Pflanzen etwa 1 Tag lang hoch-dosiert (15-20ml/10l) in einer Auxin-Wasser-Mischung getränkt. In den folgenden 1-2 Saisons sollte man wieder 1-mal pro Saison (etwa Mitte bis Ende Mai) Auxin hoch-dosiert verabreichen. Die nachfolgenden Saisons kann man bei Bedarf während der Vegetationsphase etwa alle 2 Monate schwach-dosiert das Haarwurzel-Wachstum weiter anregen.