Zum Inhalt springen

Winterschutz von Exoten Exotengarten-KnowHow

    SHARE:

    Möchte man sich den Traum von exotischen Pflanzen im eigenen Garten erfüllen, so stellt der Winterschutz die größte Herausforderung dar.

    zur Gallerie

    Winterschutz
    Winterschutz
    Winterschutz
    Winterschutz
    Winterschutz
    Exit full screenEnter Full screen

    Allgemein

    Die Überwinterung dauerhaft im Garten ausgepflanzter Exoten ist die Königsdisziplin des Exotengärtners.
    Um exotische Pflanzen bei uns im Winter erfolgreich zu überwintern, muss man je Pflanze spezifische Bedingungen schaffen, was Temperatur, Feuchtigkeit, Licht, Bodenbeschaffenheit etc. betrifft.
    Eine Checkliste, worauf man beim Winterschutz grundsätzlich achten sollte, findet sich hier.

    Vorbereitung

    Der Winterschutz von Exoten beginnt mit vorbereitenden Maßnahmen schon weit vor dem Winter:
     
    Stärkung Frosthärte
    Pflanzen sorgen per Zuckereinlagerung dafür, dass ihre Pflanzensäfte bei Frost möglichst nicht gefrieren und die Versorgung der unterschiedlichen Pflanzenteile so auch im Winter sichergestellt ist. Zucker ist also das Frostschutzmittel der Pflanzen. Zucker entsteht durch Photosynthese. Eine große Blattmasse bedeutet hierbei hohe Zuckereinlagerung.
    Desweiteren ist wichtig, dass Stamm, Zweige und Triebe vor dem Winter gut verholzen. Kalium sorgt für ein stärkeres Verholzen von Pflanzentrieben.
    Für frostkritische Exoten gilt daher:

    • kein Rückschnitt zwischen Mai und September (für maximale Blattmasse)
    • stickstoffbetonte Düngung bis Ende August (für maximale Blattmasse)
    • kaliumbetonte Düngung ca. alle 4 Wochen ab September bis zum 1. Frost (zur bessere Verholzung von Stammm, Zweigen und Trieben)

     
    Minimierung Frosttrocknis-Risiko
    Exoten sind meist immergrüne Pflanzen. Immergrüne Pflanzen verdunsten auch im Winter immer etwas Wasser, insbesondere, wenn die Sonne scheint bzw. die Temperaturen im Winter kurzfristig steigen. Hat es in der Zeit Bodenfrost (z.B. in Folge von Dauerfrostphasen), können die Wurzeln die Pflanze aber nicht mit Wasser versorgen. Viele Exoten vertrocknen aufgrund dessen im Winter.
    Um dem zu begegnen, gibt es verschiedene Vorkehrungen:

    • Reduzierung der Blattmasse vor dem 1. Frost (um Wasserverdunstung zu minimieren)
    • Abschatten der Pflanze an sonnigen Tagen (um Wasserverdunstung zu minimieren)
    • Wurzelschutz (um Bodenfrost zu reduzieren)

     
    Pilz-Profilaxe
    Pilze fühlen sich in feucht-warmem Klima wohl. Die Pilzgefahr ist daher besonders hoch bei immergrünen Pflanzen, die im Winter aufgrund ihrer Frostempfindlichkeit gut verpackt (und ggf. sogar noch beheizt) werden müssen.
    Um einem Pilz-Befall vozubeugen, empfiehlt sich:

    • Behandlung Blätter mit Breitband-Fungizid ab Oktober etwa alle 4 Wochen (wirkt gegen eine Vielzahl von Pilzkrankheiten)

    Anforderungen an Schutzmaßnahmen

    Zunächst: es gibt nicht das Patentrezept, wie man Pflanzen im Winter schützen sollte. Jede Pflanze hat ihre spezifischen winterlichen Kulturanforderungen, die man bestmöglich mit den Schutzmaßnahmen bedienen sollte.
    Die Schutzmaßnahmen sollten aber grundsätzlich folgende Kriterien erfüllen:

    • maximale Isolation gegen Kälte bzw. Nässe
    • Lichtdurchlässigkeit (insbesondere für viele immergrüne Pflanzen)
    • Atmungsaktivität (gegen Schwitzwasser) oder gute Belüftungsmöglichkeit
    • schnelle Auf- + Abbau-Möglichkeiten
    • Robustheit gegen Wind und Schnee
    • Hitzebeständigkeit bei Beheizung
    • Erweiterbarkeit (so dass der Bau über die Jahre mit der Pflanze ‚mitwachsen‘ kann)

    Kälteschutz-Maßnahmen

    Kälteschutz-Maßnahmen sollten spätestens 5° oberhalb der Frosthärtegrenze der jeweiligen Pflanze (als Pufferzone für nächtliche Temperaturschwankungen, Abstrahlung in sternenklaren Nächten, genetische Streuungen unter den Pflanzen, …) erfolgen, für Jungpflanzen, frisch ausgepflanzte oder schwache Exoten auch 10° oberhalb der Frosthärtegrenze. Bei anhaltenden Dauerfrostlagen sollte generell für einen geeigneten Winterschutz gesorgt werden.
    Anregungen, wie man einen effektiven Kälteschutz gestalten kann, finden sich hier.
    Kälteschutzmaßnahmen lassen sich folgendermaßen abstufen:
    Leichter Kälteschutz
    Leichter Kälteschutz besteht aus einem einfachen Wurzelschutz, bei dem der Boden um die Wurzeln mit Mulch, Laub o.ä. bedeckt werden.
    Bei starkem Frost kann man frostkritische Pflanzen zusätzlich mit Wasser einsprühen. Das gefrierende Wasser hüllt die Pflanze so in einen schützenden ‚Eismantel‘ ein. Dabei wird Kristallisationswärme frei. Dieses Verfahren wird häufig von Obstbauern zur Sicherung ihrer Ernte eingesetzt.
    Mittlerer Kälteschutz
    Mittlerer Kälteschutz erweitert den leichten Schutz um eine Umhausung oder Umhüllung, möglichst atmungsaktiv und idealerweise lichtdurchlässig. Je nach Pflanze bietet sich die Errichtung eines Schutzbaus oder auch nur eine einfache Verpackung an. Schutzbauten kann man fertig kaufen oder auch selber konstruieren. Zur Umhüllung / Isolation bieten sich – je nach Pflanze + Schutzbedarf – diverse Materialien mit unterschiedlichsten Eigenschaften an. Sobald es die Temperaturen zulassen, sollte man den Schutzbau unbedingt ausgiebig lüften, um Pilz- + Schimmelgefahr zu vermeiden.
    Starker Kälteschutz
    Starker Kälteschutz erweitert den mittleren Schutz um eine Heizquelle, idealerweise über ein temperaturgesteuertes Heizkabel. Passiver Schutz (also Schutz ohne Heizquelle) kann das Eindringen der Aussentemperatur zwar verzögern, aber dauerhaft nicht verhindern. Ist es also längere Zeit sehr frostig, kommt man um eine Beheizung nicht herum. Um die Heizquelle automatisch temperaturabhängig zu schalten, ist der Einsatz eines Thermostats zu empfehlen. Für extreme Minusgrade bietet sich hierzu z.B. das beliebte UT-200 / UT-300 oder auch z.B. das sehr gute ITC-308 (von Inkbird) an.

    Nässeschutz-Maßnahmen

    Nässeschutzmaßnahmen lassen sich folgendermaßen abstufen:
    Leichter Nässeschutz
    Leichter Nässeschutz ist durch geschickte Standortwahl erreichbar, z.B. unterhalb eines Dachvorsprungs, in Hauswandnähe, hinter einer Wand oder auch einfach als Unterpflanzung unter einer größeren Pflanze.
    Mittlerer Nässeschutz
    Mittlerer Nässeschutz läßt sich durch Überdachung der Pflanze mit idealerweise lichtdurchlässigem Material wie z.B. Plexiglas, Doppelstegplatten o.ä. realisieren. Darüber hinaus kann man auch den Wurzelbereich vor Nässe schützen, indem man ihn z.B. mit Plastiktüten abgedeckt.
    Starker Nässeschutz
    Starker Nässeschutz lässt sich durch eine Umhausung realisieren, mit der sichergestellt wird, dass auch bei stürmischem Wetter keine Nässe seitlich eindringen kann.