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Winterschutz von Exoten: Checkliste Exotengarten-KnowHow

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    Für ausgepflanzte exotische Pflanzen stellt der Winter eine besondere Herausforderung dar. Worauf man beim Winterschutz achten sollte…

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    Winterschutz
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    Nr. Regel Beschreibung
    1 Frühzeitige Planung verhindert böse Überraschungen! Den erforderlichen Materialbedarf für den Winterschutz sollte man frühzeitig kalkulieren + besorgen, um z.B. etwaigen Lieferengpässen entgegenzuwirken.
    2 Frosthärte variiert je nach Pflanzenteil! Die Frosthärte einer Pflanze ist je nach Pflanzenteil unterschiedlich. Die Blätter sind i.d.R. frostempfindlicher als die überlebenswichtigen Teile wie Wurzelwerk und Meristem. Beim Winterschutz stellt sich daher auch die Frage, welche Teile der Pflanzen man unbeschadet über den Winter bringen will.
    3 Frosthärte sollte man nicht ausreizen! Spätestens bei Temperaturen 5° oberhalb der (realistischen) Frosthärte einer Pflanze sollte man für angemessenen Winterschutz sorgen, für Jungpflanzen, frisch ausgepflanzte oder schwache Pflanzen auch 10° oberhalb der Frosthärtegrenze.
    4 Jungpflanzen sind besonders frostempfindlich! Je dicker und verholzter Stamm, Äste und Zweige, desto besser ist die Pflanze gegen Frost geschützt. Jungpflanzen sind entsprechend weniger frosttolerant als adulte Pflanzen. Vorsicht: die Frosthärteangaben von Pflanzen beziehen sich – verkaufsfördernd – meist auf gesunde, adulte und etablierte Pflanzen, die so für Jungpflanzen nicht gelten.
    5 Adulte Pflanzen sind wenig anpassungsfähig! ‚Einen alten Baum verpflanzt man nicht‘: adulte Pflanzen sind nicht mehr so anpassungsfähig. Pflanzen, die älter als 5 Jahre sind und ganz andere klimatische Bedingungen gewohnt sind, lassen sich nur sehr schwer neu ansiedeln. Aber selbst bei Jungpflanzen ist die Anpassungsfähigkeit gelegentlich sehr eingeschränkt. So zeigen z.B. Untersuchungen bei der Hanfpalme, dass die Frosthärte unabhängig von Standort maximal um +/-1° differiert, dass also die Frosthärte bei der Hanfpalme bis auf Nuancen genetisch festgelegt ist und nicht ‚modifiziert‘ werden kann.
    6 Blattmasse steigert die Frosthärte! Pflanzen sorgen per Zuckereinlagerung dafür, dass ihre Pflanzensäfte bei Frost möglichst nicht gefrieren und die Versorgung der unterschiedlichen Pflanzenteile so auch im Winter sichergestellt ist. Zucker ist also das Frostschutzmittel der Pflanzen. Zucker entsteht durch Photosynthese. Eine große Blattmasse bedeutet hierbei hohe Zuckereinlagerung. Frostempfindliche Pflanzen sollte man daher insbesondere zwischen Mai und September nicht rückschneiden. Bis Ende August sollte man aus selbigem Grund stickstoffbetonten Dünger verwenden.
    7 Kaliumdünger steigert die Frosthärte! Ab Anfang September sollte man zur Wintervorbereitung auf kaliumhaltigen Dünger umstellen. Stickstoffhaltigen Dünger sollte man im Herbst auf alle Fälle vermeiden, da er zu einer verlängerten Wachstumsperiode führt, was dem Verholzen entgegen wirkt und damit die mögliche Frosthärte der Pflanzen reduziert.
    8 Immergrüne Pflanzen benötigen Wurzelschutz! Die meisten Pflanzen erfrieren im Winter nicht, sondern sie vertrocknen, weil der Boden nach langen Dauerfrostperioden tiefgefroren ist, so dass die Pflanze über ihre Wurzeln nicht mehr versorgt werden kann. Besonders gefährdet sind hierbei immergrüne Pflanzen, da diese auch im Winter Wasser über ihre Blätter verdunsten. Am größten ist diese Gefahr im zeitigen Frühjahr, wenn der Boden noch gefroren ist, die Sonne den Pflanzen tagsüber aber schon viel Wasser entzieht. Daher: bei immergrünen Pflanzen diese auch gegen Bodenfrost schützen, im Frühjahr bei starker Sonneneinstrahlung beschatten + an frostfreien Tagen giessen.
    9 Frosttrocknis-Gefahr für Flachwurzler! Wenn der Boden im Winter tief gefroren ist, bekommen immergrüne Flachwurzler ein Versorgungsproblem. Hält der Bodenfrost zu lange an, vertrocknet die Pflanze.
    10 Verminderte Frosttrocknis-Gefahr für Sämlinge! Ganz junge Pflanzen (Sämlinge) haben oft (noch) kein Frosttrocknis-Problem, da sich ihr Wurzelsystem ganz flach unter der Erdoberfläche bewegt, wo die Wintersonne das Eis und den Schnee immer mal wieder schnell schmilzt und die Pflanze so mit Wasser versorgt wird.
    11 Feuchtigkeitsempfindliche Pflanzen benötigen Nässeschutz! Pflanzen aus sehr trockenen Gegenden – insbesondere Wüstenpflanzen wie z.B. Kakteen, Yuccas oder Agaven – reagieren im Winter sehr allergisch auf Feuchtigkeit. Für diese Exoten empfiehlt sich – gerade im Winter – ein Regendach.
    12 Frisch ausgepflanzte oder schwache Pflanzen benötigen besonders starken Schutz! Etablierte, gesunde Pflanzen sind frosthärter als frisch ausgepflanzte oder schwache Pflanzen, da sie i.d.R. genügend Reserven haben. Besonders gefährdet sind ältere Pflanzen, die frisch ausgepflanzt sind, da sich ältere Pflanzen besonders schwer mit dem Anpassen an das neue Umfeld tun.
    13 Je größer die Pflanze, desto aufwändiger der Winterschutz! Je größer eine Pflanze ist, desto aufwändiger gestaltet sich der Winterschutz, sowohl zeitlich als auch kostenseitig (Material und Heizkosten).
    14 Zu lange angebrachter Winterschutz kann genauso schädlich sein wie zu kurzer Schutz! Jede Winterschutzmaßnahme bedeutet eine Beeinträchtigung der Pflanze, da im Schutzbau i.d.R. nie ein optimales Mikroklima (bzgl. Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Licht, etc.) erreicht werden kann. Bei der Fragestellung, wie lange man eine Pflanze schützen soll, wann man also den Winterschutz auf- bzw. wieder abbaut, sollte man sich daher in den kritschen Monaten laufend die Wetter-Vorhersage für die nächsten 1-2 Wochen anschauen und auf der Basis angemessen, aber mutig entscheiden.
    15 Zu viel Winterschutz kann genauso schädlich sein wie zu wenig Schutz! Auch zu viel Winterschutz stresst Pflanzen. So ist verspätetes Wachstum z.B. oftmals das Ergebnis eines zu starken Winterschutzes. In dem Fall schütten Pflanzen das Stresshormon Abcissinsäure aus, welches im Frühjahr erst abgebaut werden muss, bevor die Pflanze wieder wächst. Die Angemessenheit des Winterschutzes ist daher laufend auf Basis der Wetter-Vorhersage zu prüfen und ggf. anzupassen.
    16 Ein hoch-flexibler Winterschutz ist essentiell! In den rauen Gegenden müssen Exoten meist über einen sehr langen Zeitraum sehr dick eingepackt werden. Das bedeutet für die Pflanzen Stress. Das A+O beim Winterschutz ist daher insbesondere in rauen Gegenden ein hoch-flexibel an die jeweiligen Witterungsverhältnisse anpassbarer Winterschutz.
    17 Ein effektiver Wurzelschutz ist essentiell! In den rauen Gegenden sind Exoten oftmals langen Dauerfrostperioden ausgesetzt, bei denen der Frost auch tief in den Boden eindringt. Es droht – insbesondere bei immergrünen Flachwurzlern – lebensgefährliche Frosttrocknis. Um dieses Risiko zu minimieren, ist ein effektiver Wurzelschutz ganz entscheidend.
    18 Den Erdboden als Heizquelle nutzen! Der Erdboden hat ganzjährig in 1m Tiefe etwa +9°C. Sobald die Bodenschichten darüber abkühlen, wird die Erdwärme nach oben geleitet. So fungiert der Erdboden im Winter als schwache Heizung. Lässt man den Boden im Schutzbau unbedeckt, so wird der Innenbereich des Schutzbaus durch die Erdwärme ein stückweit erwärmt. Bedeckt man den Boden im Schutzbau (z.B. mit Mulch), so verbleibt die Erdwärme im Erdboden und wärmt vornehmlich den Wurzelbereich. Um die Erdwärme optimal auszunutzen, sollte der Schutzbau so flach wie möglich bei maximaler Grundfläche (verhindert das seitliche Auskühlen des Bodens) sein.
    19 Schnee ist ein guter Frostschutz! Eine dichte Schneedecke wirkt wie eine Isolationsschicht, die das Endringen starker Frosttemperaturen in die abgedeckten Pflanzenteile, insbesondere das Wurzelwerk, stark verzögert. Man sollte die Schneedecke daher nicht entfernen, sondern – im Gegenteil – um die Pflanzen anhäufeln.
    20 Bei Passivschutz + Dauerfrost Wurzelschutz! Hat es mehrere Tage Dauerfrost, so ist es bei Passivschutz sinnvoll, den Boden z.B. mit einem Wurzelschutz oder Mulch zu bedecken und so das Eindringen des Frostes ein stückweit zu verlangsamen.
    21 Passivschutz hilft nur kurzfristig! Da Pflanzen im Gegensatz zu Menschen keine Eigenwärme erzeugen, verzögert das dicke Einpacken einer Pflanze (passiver Frostschutz) das Eindringen der Kälte, kann es aber nicht dauerhaft verhindern. Heisst: bei kurzweiligem Frost, Kahlfrost, Strahlungskälte, Temperaturstürzen oder frostigem Ost-Wind ist Passivschutz hilfreich. Bei dauerhafter Kälte hilft das Einpacken nur in Verbindung mit einer Wärmequelle (aktiver Frostschutz).
    22 Passivschutz mit Schutzbau statt Vliesmantel! Ein wirkungsvoller Passivschutz nutzt die Wärmeabstrahlung vom Erdboden und minimiert die Wärmeabstrahlung ins All (=Strahlungskälte). Dazu empfiehlt sich bei Passivschutz ein eher großflächiger Schutzbau statt einem eng angelegten Vlies-Schutzmantel.
    23 Bei Aktivschutz Schutzbau möglichst klein! Möchte man den Schutzbau beheizen, empfiehlt es sich, den Schutzbau möglichst klein zu halten, um Stromkosten zu minimieren.
    24 Bei Aktivschutz kein Wurzelschutz! Bei Aktivschutz sollte der Wurzelbereich unbedeckt bleiben, damit auch die Wurzeln von der Beheizung profitieren können.
    25 Große Schutzbauten abspannen! Im Winter gibt es z.T. heftige Stürme. Große Schutzbauten bieten hier jede Menge Angriffsfläche und sollten daher gesichert werden.
    26 Kontakt der Pflanze mit Schutzbau-Außenhaut vermeiden! Haben Pflanzenteile Kontakt mit der Außenhaut des Schutzbaus, entstehen Kältebrücken mit Temperaturen z.T. unterhalb der eigentlichen Außentemperatur. Entweder baut man den Schutzbau daher entsprechend groß oder man zieht dem Schutzbau eine 2. Außenhaut (z.B. einen zusätzlichen Vliessack) locker über.
    27 Pflanzen immer trocken einpacken! Feuchtigkeit (i.ü. auch Kondenswasser) ist im Schutzbau möglichst zu vermeiden. Erstens erhöht dies die Pilz- + Schimmelgefahr und zweitens ist das ständige Tauen (nachts) und Abtauen (tagsüber) sehr schädlich für die Pflanzenteile.
    28 Je dunkler man eine Pflanze überwintert, desto kühler sollte es im Winterquartier sein! Immergrüne Pflanzen sollten hell überwintert werden, laubabwerfende können auch dunkel überwintert werden. Je mehr Licht das Winterquartier bietet, desto wärmer sollte es sein, je dunkler, desto kühler. Ein guter Richtwert sind 10°C bei heller Überwinterung, 5°C bei schwachem Tageslicht. Bei warmer, dunkler Überwinterung bilden Pflanzen i.ü. oft helle, schwache (‚vergeilte‘) Triebe, die man im Frühling abschneiden sollte. Bei starkem Licht- + Temperaturwechsel werfen immergrüne Pflanzen im Winterquartier gelegentlich ihre Blätter ab, treiben aber im Frühling i.d.R. wieder aus.
    29 Lüften, lüften, lüften! Um die Pilz- + Schimmelgefahr zu minimieren, muss die Pflanze im Winter regelmäßig belüftet werden, insbesondere nach längeren Phasen mit wenig atmungsaktiver Verpackung (z.B. Luftpolsterfolie). In dem Zusammenhang empfiehlt es sich, pilzanfällige Pflanzen profilaktisch vor dem Winter ab Oktober etwa alle 4 Wochen mit Breitband-Fungizid (wirkt gegen eine Vielzahl von Pilzkrankheiten) zu behandeln.
    30 Temperaturschwankungen vermeiden! Starke Temperaturunterschiede sind für die meisten Pflanzen im Winter eine Belastung. Wird es tagsüber wiederholt zu warm, gehen die Pflanzen nicht in die Winterruhe. Temperaturschwankungen kann man durch Schattierung mit lichtdichten, luftdurchlässigen Materialien mindern. Schattierung hilft darüber hinaus ggf. bei kalten Winden. Lichtdurchlässige, luftdicht verschlossene, unbeheizte Schutzbauten (oder Gewächshäuser) haben genau den gegenteiligen und damit schädlichen Effekt (Treibhaus-Effekt).
    31 Winterschäden werden oft erst im nächsten Frühjahr sichtbar! Häufig sehen frostgeschädigte Pflanzen nach dem Auspacken noch sehr gut aus und bauen dann im Frühjahr weiter ab. Das volle Ausmaß des winterlichen Schadens ist oft erst im Mai / Juni ersichtlich.