Winterschutz von exotischen Pflanzen: Checkliste Gärtnern im Grenzbereich

Die dauerhafte Auspflanzung exotischer Pflanzen im eigenen Garten erfordert die besondere Aufmerksamkeit des Gärtners. Bei Beachtung gewisser Grundregeln ist eine erfolgreiche Freiland-Überwinterung aber durchaus möglich. Worauf man beim Winterschutz von exotischen Pflanzen achten sollte…

Checkliste
WINTERSCHUTZ VON EXOTISCHEN PFLANZEN

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1Frühzeitige Planung verhindert böse Überraschungen!Den erforderlichen Materialbedarf für den Winterschutz sollte man frühzeitig kalkulieren + besorgen, um z.B. etwaigen Lieferengpässen entgegen zu wirken.
2Kaliumdünger steigert die Frosthärte!Ab Anfang September sollte man zur Wintervorbereitung auf kaliumhaltigen Dünger umstellen. Stickstoffhaltigen Dünger sollte man im Herbst auf alle Fälle vermeiden, da er zu einer verlängerten Wachstumsperiode führt, was dem Verholzen entgegen wirkt und damit die mögliche Frosthärte der Pflanzen reduziert.
3Jungpflanzen sind besonders frostempfindlich!Je dicker und verholzter Stamm, Äste und Zweige, desto besser ist die Pflanze gegen Frost geschützt. Jungpflanzen sind entsprechend weniger frosttolerant als adulte Pflanzen. Vorsicht: die Frosthärteangaben von Pflanzen beziehen sich – verkaufsfördernd – meist auf gesunde, adulte und etablierte Pflanzen, die so für Jungpflanzen nicht gelten.
4Adulte Pflanzen sind wenig anpassungsfähig!‚Einen alten Baum verpflanzt man nicht‘: adulte Pflanzen sind nicht mehr so anpassungsfähig. Pflanzen, die älter als 5 Jahre sind und ganz andere klimatische Bedingungen gewohnt sind, lassen sich nur sehr schwer neu ansiedeln. Aber selbst bei Jungpflanzen ist die Anpassungsfähigkeit gelegentlich sehr eingeschränkt. So zeigen z.B. Untersuchungen bei der Hanfpalme, dass die Frosthärte unabhängig von Standort maximal um +/-1° differiert, dass also die Frosthärte bei der Hanfpalme bis auf Nuancen genetisch festgelegt ist und nicht ‚modifiziert‘ werden kann.
5Frosthärte sollte man nicht ausreizen!Spätestens bei Temperaturen 5° oberhalb der (realistischen) Frosthärte einer Pflanze sollte man für angemessenen Winterschutz sorgen, für Jungpflanzen, frisch ausgepflanzte oder schwache Pflanzen auch 10° oberhalb der Frosthärtegrenze.
6Frosthärte variiert je nach Pflanzenteil!Die Frosthärte einer Pflanze ist je nach Pflanzenteil unterschiedlich. Die Blätter sind i.d.R. frostempfindlicher als die überlebenswichtigen Teile wie Wurzelwerk und Meristem. Beim Winterschutz stellt sich daher auch die Frage, welche Teile der Pflanzen man unbeschadet über den Winter bringen will.
7Immergrüne Pflanzen benötigen Wurzelschutz!Die meisten Pflanzen erfrieren im Winter nicht, sondern sie vertrocknen, weil der Boden nach langen Dauerfrostperioden tiefgefroren ist, so dass die Pflanze über ihre Wurzeln nicht mehr versorgt werden kann. Besonders gefährdet sind hierbei immergrüne Pflanzen, da diese auch im Winter Wasser über ihre Blätter verdunsten. Am größten ist diese Gefahr im zeitigen Frühjahr, wenn der Boden noch gefroren ist, die Sonne den Pflanzen tagsüber aber schon viel Wasser entzieht. Daher: bei immergrünen Pflanzen diese auch gegen Bodenfrost schützen, im Frühjahr bei starker Sonneneinstrahlung beschatten + an frostfreien Tagen giessen.
8Frosttrocknis-Gefahr für Flachwurzler + Jungpflanzen!Wenn der Boden im Winter tief gefroren ist, bekommen immergrüne Flachwurzler und Jungpflanzen (mit einem wenig ausgeprägten Wurzelwerk) ein Wasser-Versorgungsproblem. Hält der Bodenfrost zu lange an, vertrocknet die Pflanze.
9Wenig Frosttrocknis-Gefahr für Sämlinge!Ganz junge Pflanzen (Sämlinge) haben oft (noch) kein Frosttrocknis-Problem, da sich ihr Wurzelsystem ganz flach unter der Erdoberfläche bewegt, wo die Wintersonne das Eis und den Schnee immer mal wieder schnell schmilzt und die Pflanze so mit Wasser versorgt wird.
10Feuchtigkeitsempfindliche Pflanzen benötigen Nässeschutz!Pflanzen aus sehr trockenen Gegenden – insbesondere Wüstenpflanzen wie Kakteen und Yuccas – reagieren im Winter sehr allergisch auf Feuchtigkeit. Für diese Exoten empfiehlt sich – gerade im Winter – ein Regendach.
11Frisch ausgepflanzte oder schwache Pflanzen benötigen besonders starken Schutz!Etablierte, gesunde Pflanzen sind frosthärter als frisch ausgepflanzte oder schwache Pflanzen, da sie i.d.R. genügend Reserven haben. Besonders gefährdet sind ältere Pflanzen, die frisch ausgepflanzt sind, da sich ältere Pflanzen besonders schwer mit dem Anpassen an das neue Umfeld tun.
12Je größer die Pflanze, desto aufwändiger der Winterschutz!Je größer eine Pflanze ist, desto aufwändiger gestaltet sich der Winterschutz, sowohl zeitlich als auch kostenseitig (Material und Heizkosten).
13Zu lange angebrachter Winterschutz kann genauso schädlich sein wie zu kurzer Schutz!Bei der Fragestellung, wie lange man eine Pflanze schützen soll, wann man also den Winterschutz auf- bzw. wieder abbaut, sollte man sich in den kritschen Monaten Woche für Woche die Vorhersage für die nächsten 1-2 Wochen anschauen und auf der Basis angemessen mutig entscheiden.
14Zu viel Winterschutz kann genauso schädlich sein wie zu wenig Schutz!Jede Winterschutzmaßnahme bedeutet eine Beeinträchtigung der Pflanze, sei es zu hohe Temperaturen, zu wenig Licht o.ä.. Schäden treten z.T. erst im nächsten Frühjahr auf. Verspätetes Wachstum ist z.B. oftmals das Ergebnis eines zu starken Winterschutzes (insbesondere des Blattwerks), weshalb die Pflanzen das Stresshormon Abcissinsäure ausschütten, welches im Frühjahr erst abgebaut werden muss, bevor die Pflanze wieder wächst. Die Angemessenheit des Winterschutzes ist daher Woche für Woche auf Basis der Vorhersage für die nächsten 1-2 Wochen zu hinterfragen und sollte im Verlauf eines Winters bei Bedarf immer wieder situativ flexibel angepasst werden können. Der Aufwand für das flexibele Anpassen des Winterschutzes an das aktuelle Klima sollte daher so gering wie möglich gehalten werden.
15Ein hoch-flexibler Winterschutz ist essentiell!In den rauen Gegenden müssen Exoten meist über einen sehr langen Zeitraum sehr dick eingepackt werden. Das bedeutet für die Pflanzen Stress. Es droht Pilzbefall. Das A+O beim Winterschutz ist daher insbesondere in den rauen Gegenden ein hoch-flexibler Winterschutz, den man immer mal wieder öffnen oder gar teilabbauen kann, sobald es die Witterung zulässt.
16Ein effektiver Wurzelschutz ist essentiell!In den rauen Gegenden sind Exoten oftmals langen Dauerfrostperioden ausgesetzt, bei denen der Frost auch tief in den Boden eindringt. Es droht – insbesondere bei immergrünen Flachwurzlern – lebensgefährliche Frosttrocknis. Um dieses Risiko zu minimieren, ist ein effektiver Wurzelschutz ganz entscheidend.
17Den Erdboden als Heizquelle nutzen!Der Erdboden hat ganzjährig in 1m Tiefe etwa +9°C. Sobald die Bodenschichten darüber abkühlen, wird die Erdwärme nach oben geleitet. So fungiert der Erdboden im Winter als schwache Heizung. Lässt man den Boden im Schutzbau unbedeckt, so wird der Innenbereich des Schutzbaus durch die Erdwärme ein stückweit erwärmt. Bedeckt man den Boden im Schutzbau (z.B. mit Mulch), so verbleibt die Erdwärme im Erdboden und wärmt vornehmlich den Wurzelbereich. Um die Erdwärme optimal auszunutzen, sollte der Schutzbau so flach wie möglich bei maximaler Grundfläche (verhindert das seitliche Auskühlen des Bodens) sein.
18Bei Passivschutz + Dauerfrost Wurzelschutz!Hat es mehrere Tage Dauerfrost, so ist es bei Passivschutz sinnvoll, den Boden z.B. mit einem Wurzelschutz oder Mulch zu bedecken und so das Eindringen des Frostes ein stückweit zu verlangsamen.
19Passivschutz hilft nur kurzfristig!Da Pflanzen im Gegensatz zu Menschen keine Eigenwärme erzeugen, verzögert das dicke Einpacken einer Pflanze (passiver Frostschutz) das Eindringen der Kälte, kann es aber nicht dauerhaft verhindern. Heisst: bei kurzweiligem Frost, Kahlfrost, Strahlungskälte, Temperaturstürzen oder frostigem Ost-Wind ist Passivschutz hilfreich. Bei dauerhafter Kälte hilft das Einpacken nur in Verbindung mit einer Wärmequelle (aktiver Frostschutz).
20Passivschutz mit Schutzbau statt Vliesmantel!Ein wirkungsvoller Passivschutz nutzt die Wärmeabstrahlung vom Erdboden und minimiert die Wärmeabstrahlung ins All (=Strahlungskälte). Dazu empfiehlt sich bei Passivschutz ein eher großflächiger Schutzbau statt einem eng angelegten Vlies-Schutzmantel.
21Bei Aktivschutz Schutzbau möglichst klein!Möchte man den Schutzbau beheizen, empfiehlt es sich, den Schutzbau möglichst klein zu halten, um Stromkosten zu minimieren.
22Bei Aktivschutz kein Wurzelschutz!Bei Aktivschutz sollte der Wurzelbereich unbedeckt bleiben, damit auch die Wurzeln von der Beheizung profitieren können.
23Große Schutzbauten abspannen!Im Winter gibt es z.T. heftige Stürme. Große Schutzbauten bieten hier jede Menge Angriffsfläche und sollten daher gesichert werden.
24Kontakt der Pflanze mit Schutzbau-Außenhaut vermeiden!Haben Pflanzenteile Kontakt mit der Außenhaut des Schutzbaus, entstehen Kältebrücken mit Temperaturen z.T. unterhalb der eigentlichen Außentemperatur. Entweder baut man den Schutzbau daher entsprechend groß oder man zieht dem Schutzbau eine 2. Außenhaut (z.B. einen zusätzlichen Vliessack) locker über.
25Pflanzen immer trocken einpacken!Feuchtigkeit (i.ü. auch Kondenswasser) ist im Schutzbau möglichst zu vermeiden. Erstens erhöht dies die Pilz- + Schimmelgefahr und zweitens ist das ständige Tauen (nachts) und Abtauen (tagsüber) sehr schädlich für die Pflanzenteile.
26Lüften, lüften, lüften!Um die Pilz- + Schimmelgefahr zu minimieren, muss die Pflanze im Winter regelmäßig belüftet werden, insbesondere nach längeren Phasen mit luftdichter Verpackung, z.B. mit Luftpolsterfolie.
27Temperaturschwankungen vermeiden!Starke Temperaturunterschiede sind für die meisten Pflanzen im Winter eine Belastung. Wird es tagsüber wiederholt zu warm, gehen die Pflanzen nicht in die Winterruhe. Temperaturschwankungen kann man durch Schattierung mit lichtdichten, luftdurchlässigen Materialien mindern. Schattierung hilft darüber hinaus ggf. bei kalten Winden. Lichtdurchlässige, luftdicht verschlossene, unbeheizte Schutzbauten (oder Gewächshäuser) haben genau den gegenteiligen und damit schädlichen Effekt (Treibhaus-Effekt).
28Schnee ist ein guter Frostschutz!Eine dichte Schneedecke wirkt wie eine Isolationsschicht, die das Endringen starker Frosttemperaturen in die abgedeckten Pflanzenteile, insbesondere das Wurzelwerk, stark verzögert. Man sollte die Schneedecke daher nicht entfernen, sondern – im Gegenteil – um die Pflanzen anhäufeln.
29Je dunkler man eine Pflanze überwintert, desto kühler sollte es im Winterquartier sein!Immergrüne Pflanzen sollten hell überwintert werden, laubabwerfende können auch dunkel überwintert werden. Je mehr Licht das Winterquartier bietet, desto wärmer sollte es sein, je dunkler, desto kühler. Ein guter Richtwert sind 10°C bei heller Überwinterung, 5°C bei schwachem Tageslicht. Bei warmer, dunkler Überwinterung bilden Pflanzen i.ü. oft helle, schwache (‚vergeilte‘) Triebe, die man im Frühling abschneiden sollte. Bei starkem Licht- + Temperaturwechsel werfen immergrüne Pflanzen im Winterquartier gelegentlich ihre Blätter ab, treiben aber im Frühling i.d.R. wieder aus.

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