Exotengarten-KnowHow in sozialen Medien Exotengarten-KnowHow

Social Media sorgt dafür, dass Garten-Know schnell + einfach weitergegeben werden kann. Welche Risiken das gerade für Garten-Neulinge birgt…

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Informationssuche in sozialen Medien

Ich bin der festen Überzeugung, dass der Informations-Austausch über soziale Medien gerade hinsichtlich der Kultivierung exotischer Pflanzen ungemeine Vorteile bietet, ein Thema, wo es aufgrund mangelnder Erfahrungswerte in vielen Aspekten noch an gesichertem Wissen fehlt + wo es entsprechend immer noch viel zu erkunden gibt.
So rasch + unkompliziert man sich zu dem Thema über soziale Medien austauschen kann, so sehr birgt dieses schnelle Wissen auch – gerade für Exoten-Neueinsteiger – gewisse Risiken (siehe auch: Exotengarten-Irrtümer).

Vorschnelle Verallgemeinerungen

Um die Kultivierung exotischer Pflanzen in Deutschland salonfähig zu machen, besteht die Herausforderung, spezifische Erfahrungen einzelner ‚Exoten-Pioniere‘ sukzessive so zusammenzuführen, dass sich daraus allgemeingültiges Fachwissen ableiten lässt.
In sozialen Medien werden spezifische Erfahrungen aus dem eigenen Garten leider oftmals verallgemeinert dargestellt, ohne diese jemals auf Allgemeingültigkeit geprüft zu haben.
Besonders gefährlich sind in dem Zusammenhang Winterschutz-Tipps ohne Ortsangabe. Was im Rheinland funktioniert, muss im Südosten Deutschlands noch lange nicht funktionieren. Bei aller Freude über den eigenen Erfolg tun die ‚Klima-Bonzen‘ unter uns sicher gut daran, ihre Erfahrungen ein stückweit zu relativieren.
Auch bei Pflege-Tipps sollte man differenzieren. Letztens wurde ein Hanfpalmen-Besitzer in einer Exoten-Facebook-Gruppe belehrt, dass das frühzeitige Abschneiden von grünen Wedeln kontraproduktiv sei. Das stimmt, wenn man das Exotenhobby wie ein ‚Trophäensammler‘ als Wettbewerb sieht, wo schnelles Wachstum das primäre Ziel ist. Vielleicht will der Hilfe-Suchende aber genau das vermeiden, um z.B. die Palme die nächsten Winter noch angemessen schützen zu können. Oder sein Hauptziel ist es, einfach eine schön-anzusehende Palme zu haben.

Gefährliches Halbwissen

Gelegentlich wird in sozialen Medien gefährliches Halbwissen einfach nachgeplappert.
So liest man beispielsweise immer wieder, dass Hanfpalmen bis -17° frosthart sind. Das stimmt so einfach nicht. Wer seine Hanfpalmen erst ab -17° schützt, wird im besten Fall nur seine Blätter (die nämlich ab etwa -11° geschädigt werden) und im schlimmsten Fall die ganze Palme einbüßen (weil die Palme z.B. nach wochenlangem Dauerfrost vertrocknet ist).
Auch ein Klassiker: wenn im Winter Nässe in die Stammöffnung gelangt + dort gefriert, stirbt die Hanfpalme. Diese ‚Weisheit‘ wird seit Jahren in entsprechenden Foren verbreitet. Entsprechend gilt das Regendach als A+O für den Winterschutz von Hanfpalmen. Unabhängig von meiner persönlichen Meinung zu dem Thema: ich halte es für vermessen, wenn Leute völlig selbstverständlich die Nässe von oben als einzig mögliche Todes-Ursache für ihre Palme ansehen. Ohne ‚Obduktion‘ bestehen da zumindest bei mir gehörige Rest-Zweifel… 😉

Zweifelhafte Verlässlichkeit

Leute melden sich in Exoten-Foren + -Gruppen an, um schnelle Hilfe zu bekommen, um das Schwarmwissen zu nutzen + es mit dem eigenen Wissen anzureichern. Man hilft sich. Das ist so + das soll auch so sein!
2 Aspekte machen den schnellen Wissensaustausch dennoch schwierig:
Einerseits ist vielfach nicht klar, wie verlässlich die Informationen sind: ist sich der Informant mit seinen Empfehlungen zu 100% sicher oder sind das nur erste, vage Vermutungen?
Andererseits neigen Menschen gerne mal zur Übertreibung, Wahrheiten verwässern mit der Zeit, Erfolge werden geschönt, Misserfolge dramatisiert, ganz ohne böse Absicht. Da wird z.B. gerne mal von Palmen erzählt, die den Winter ungeschützt bei irren Minusgraden völlig unbeschadet überstanden haben sollen. Der Laie zieht hieraus womöglich fatale Schlüsse…
Anders ausgedrückt: ich habe gehörige Zweifel, ob die z.Z. vielzitierte Schwarmintelligenz wirklich immer die beste Antwort auf alle Fragen liefern kann. Ich bin vielmehr der Meinung, dass es Themen gibt, die nur Experten in ihrer vollen Komplexität erfassen können, wo die Schwarmintelligenz nicht greift, weil der Schwarm zu dem Thema einfach nicht genügend Intelligenz (oder besser: Wissen + Erfahrung) hat.

Fazit:
hüte Dich vor Klima-Bonzen, Trophäensammlern, Aufschneidern + Pseudo-Schwarm-Intelligenz … 😉

Die Frage bleibt: was kann ich als Hilfesuchender, als Exoten-Neueinsteiger in sozialen Medien für bare Münze nehmen und was eher nicht?
Die Antwort ist vermutlich wenig befriedigend: so schnell, wie man über das Internet an Informationen gelangt, so vorsichtig sollte man gerade als Exoten-Neueinsteiger mit diesem ‚Wissen‘ umgehen.

Ein bißchen querlesen hilft sicher, aber letztlich muss man seine – positiven + negativen – Erfahrungen selber sammeln – und zwar im eigenen Garten.
Auch ich kann hier mit meinem Blog nur bedingt helfen. Ich bin kein gelernter Gärtner, sondern reiner Hobby-Gärtner. Daher beschränke ich mich bei meinen Tipps auf Pflanzen, die ich in meinem Münchner Garten selber kultiviere. Aber jeder Garten ist anders.
Warum dann überhaupt dieser Blog? Da Bayern zu den frostigsten Gegenden Deutschlands gehört, gehe ich davon aus, dass insbesondere meine Winterschutz-Tipps in fast allen Gegenden Deutschlands greifen, dass meine Tipps also eine gewisse Allgemeingültigkeit haben. Auch wenn sie für sehr milde Gegenden womöglich etwas ‚overdone‘ sind…

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