Verlässlichkeit von Wettervorhersagen Gärtnern im Grenzbereich

Als Gärtner ist man massiv vom Wetter abhängig, bestimmt es doch maßgeblich den Schutz- + Pflegebedarf für die Pflanzen. Um vom Wetter nicht böse überrascht zu werden, bedarf es verlässlicher Wettervorhersagen. Aber wie verlässlich sind Wetterprognosen überhaupt?

Verlässlichkeit von Wettervorhersagen 3

Wetterabhängigkeit beim Gärtnern

Wer gärtnert, interessiert sich zwangsläufig auch immer für das Wetter. Wie heiss wird es? Wann regnet es das nächste Mal? Wann kommt der erste Frost?

Als Exotengärtner hängt das Gärtnerglück noch stärker vom Wetter ab. Schließlich hat man exotische Pflanzen im Garten, die unser Wetter nicht gewohnt sind und daher noch etwas empfindlicher darauf reagieren als einheimische Pflanzen.

Insbesondere bei unseren frostigen, feuchten Wintern müssen exotische Pflanzen angemessen geschützt werden. Angemessen heisst: wenns frostig wird: einpacken, wenn es wieder milder wird: auspacken. Das kann in einem Winter durchaus auch mehrmals erforderlich sein.

Um hier hier etwas Planungssicherheit zu haben, ist eine verlässliche Wetterprognose das A+O. Aber wie verlässlich sind unsere Wettervorhersagen eigentlich?

Prognosegüte von Wettervorhersagen

Wenns um Wettervorhersagen geht, ist man sich am Gartenzaun meist einig: ‚Die Vorhersagen stimmen doch eh nie.‘

Soweit die landläufige Meinung. Aber wie ist es denn wirklich?

Letztens habe ich einen Bericht gelesen, wonach Wetterprognosen ‚1 Tag pro Jahrzehnt‘ besser werden. Heisst: alle 10 Jahre können wir mit gleicher Präzision 1 Tag weiter in die Zukunft prognostizieren. Anschaulich wird das so: heute können wir das Wetter 5 Tage in die Zukunft so exakt vorhersagen, wie 1980 – also vor etwa 40 Jahren – für den nächsten Tag.

Stand heute sind Prognosen bis etwa 5 Tage halbwegs verlässlich. Alles, was über 5 Tage hinausgeht, wird folglich als Trend und nicht mehr als Prognose bezeichnet. Für den nächsten Tag sind Wetterprognosen inzwischen bis auf etwa 2°C genau. Ob allerdings jemals verlässliche Wetterprognosen über 2 Wochen hinaus möglich sein werden, ist weiterhin mehr als fragwürdig.

Wieso werden Prognosen eigentlich immer besser? Dafür gibt es vorallem 2 Gründe: wir gelangen durch Satelliten an immer bessere Wetterdaten und können mit diesen Daten durch schnellere Computer immer komplexere Wettermodell-Berechnungen durchführen.

Wettermodelle

Wie entstehen Wettermodelle? Bei Wettermodellen wird ein 3-dimensionales Gitternetz über die Erde gelegt und dann – ausgehend von aktuellen Messwerten (Temperatur, Luftdruck, Wind etc.) – für jeden Gitterpunkt Prognosewerte berechnet, die dann wieder Basis für die Berechnung des nächsten Prognosezeitpunktes sind.

Es gibt globale und lokale Wettermodelle. Globale Modelle rechnen das Wetter für die ganze Welt. Ihre Gitterpunkte liegen je nach Modell etwa 10-50km auseinander. Lokale Modelle rechnen das Wetter dagegen nur für eine bestimmte Region. Ihre Gitternetze sind i.d.R. feinmaschiger mit Abständen von etwa 1-10km. Um die globalen Einflüsse im lokalen Modell zu berücksichtigen, werden für die Modellränder Werte aus einem globalen Modell hinzugezogen. Lokale Modelle liefern aufgrund des feinmaschigeren Netzes / der feineren Auflösung i.d.R. genauere Prognosewerte.

Wettermodelle unterscheiden sich aber nicht nur in der Abdeckung und Auflösung, sondern auch in der Berechnung der Ist-Werte für Gitterpunkte, für die es keine Messwerte gibt (weil sie z.B. über dem Meer liegen).

Kleinste Abweichungen bei den berechneten Ist-Werten können insbesondere bei Langzeitprognosen bereits zu erheblichen Abweichungen führen (sogenannter Schmetterlingseffekt, wo der Flügelschlag eines Schmetterlings in einer ganz anderen Erdregion einen Sturm auslösen kann). Wettermodelle versuchen, dem entgegenzuwirken, indem sie die berechneten Ist-Werte leicht variieren und prüfen, inwieweit sich dadurch die Prognosen ändern. Je geringer die Streuung der unterschiedlichen Berechnungen ist, desto sicherer wird eine Wettervorhersage eingestuft.

In Deutschland werden als globales Wettermodell in aller Regel das amerikanische Wettermodell (GFS), das europäische Wettermodell (ECMWF) oder das deutsche Wettermodell (ICON vom deutschen Wetterdienst / DWD) genutzt. Das amerikanische Wettermodell (GFS) arbeitet hierbei mit Gitterpunkten in 23km-Abständen, während das europäische Wettermodell (ECMWF) mit 14km-Abständen und das deutsche Wettermodell (ICON) mit 13km-Abständen arbeitet.

Wetter-Apps

Viele Wetter-Apps nutzen die globalen amerikanischen Wetterdaten (GFS). Warum werden ausgerechnet die recht ungenauen globalen amerikanischen Wetterdaten genutzt? Weil diese Daten im Gegensatz zu sonstigen Wetterdaten frei verfügbar sind und die Wetter-App so zu kleinem Preis oder ggf. sogar umsonst angeboten werden können.

Die genauesten Ergebnisse würden Apps liefern, die auf lokalen Wettermodellen aufsetzen. Derartige Apps könnten dann aber nur für eben diesen kleinen lokalen Bereich Wetterdaten liefern und wären wegen der Wetterdaten-Kosten vermutlich auch nicht ganz günstig anbietbar.

Die besten Wettervorhersagen liefern nach Meinung des Meteorologen Frank Böttcher die Wetter-Apps ‚Warnwetter‘, ‚Weatherpro‘, ‚Wetter.com‘, ‚Wetter.net‘ + ‚Wetter Online‘.

Fazit

Wetterprognosen sind grundsätzlich weitaus besser als ihr Ruf. Das ist gerade für Hobby-Gärtner sehr beruhigend. So ist die Wetterprognose für 1 Woche in aller Regel so gut, dass man bei einem anstehenden Wetterumschwung vorbereitende Garten-Maßnahmen am Wochenende davor erledigen kann und eine hektische Garten-Nachtschicht unter der Woche wirklich die Ausnahme sein sollte.

Wer es dennoch ganz genau wissen will, sollte entweder mehrere Wetter-Apps mit möglichst unterschiedlichen Wettermodellen nutzen oder eine App, die mehrere Modelle anbietet. Diese Apps kosten aber leider meist…


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