Xanthorrhoea: Steckbrief Grasbaum

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Die australische Botanik hat eine einzigartige Vielfalt. Grasbäume sind hierbei womöglich die faszinierensten Vertreter der ‚Flora Australis‘.

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Australischer Grasbaum
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SYSTEMATIK

Grasbäume (Xanthorrhoea) sind die einzige Pflanzengattung der Unterfamilie Xanthorrhoeoideae in der Familie der Grasbaumgewächse (Xanthorrhoeaceae s. l.). Sie werden gelegentlich auch ‚Yacca‘, ‚Balga grass‘ oder ‚Blackboy‘ genannt.
Die Bezeichnung ‚Grasbaum‘ ist irreführend: auch, wenn Xanthorrhoea aussehen wie Bäume mit einer Graskrone, sind sie weder ein Baum noch gehören sie zu den Gräsern.
Die Gattung der Grasbäume besteht aktuell aus 28 Arten.

Systematik Name
Abteilung Tracheophyta (Gefäßpflanzen)
Klasse Magnoliopsida (Bedecktsamer)
Ordnung Asparagales (Spargelartige)
Familie Xanthorrhoeaceae s.l. (Grasbaumgewächse)
Gattung Xanthorrhoea (Grasbaum)

HERKUNFT / VERBREITUNG

Grasbäume sind lebende Fossile, die seit über 150 Millionen Jahren in küstennahen (bis etwa 200km) Gebieten Australiens und Tasmaniens beheimatet sind und dort oft den Unterwuchs in Eukalyptuswäldern bilden. Sie gehören inzwischen zu den bedrohten Pflanzen-Gattungen Australiens und unterliegen daher seit Jahren einem Export-Stop.
Xanthorrhoea zählen nicht direkt zu den Sukkulenten, stammen aber meist aus trockenen Zonen oder solchen mit klar-definierten Regen- + Trockenzeiten.
Grasbäume sind aber recht anpassungsfähig und vertragen so auch kühleres Klima (Sommer + Winter) mit höherem Niederschlägen (insbesondere in Tasmanien und Südwest-Victoria).

EIGENSCHAFTEN

Wachstum
Grasbäume können bis zu 600 Jahre alt werden. Mit einem Stammwachstum von etwa 1-3cm pro Jahr (je nach Art + Kultivierung) wachsen sie allerdings sehr langsam. Das erklärt auch die horrenden Preise für diese Bäume. Das Alter eines Grasbaums lässt sich leider nur sehr ungenau abschätzen. Der Xanthorrhoea glauca und mit etwas Abstand der Xanthorrhoea johnsonii wachsen am schnellsten.
Es gibt Grasbaum-Arten mit ober- und mit unterirdischen Stämmen. Die Wuchshöhe variiert entsprechend stark.
Die besonders frostharten Grasbaum-Arten können in etwa folgende Wuchshöhen erreichen:

  • Xanthorrhoea australis: 3m (Süd-Australien)
  • Xanthorrhoea caespitosa: 1m (Süd-Australien)
  • Xanthorrhoea glauca: 5m (Ost-Australien)
  • Xanthorrhoea johnsonii: 4m (Ost-Australien)
  • Xanthorrhoea minor: 1m (Süd-Australien)
  • Xanthorrhoea preissii: 5m (West-Australien)
  • Xanthorrhoea quadrangulata: 2m (Süd-Australien)
Frosthärte
Grasbäume sind grundsätzlich recht robust und absolut schädlingsresistent.
Die Frosthärte von Grasbäumen variiert je nach Art. Als besonders frosthart gelten folgende Arten:

  • Xanthorrhoea australis: -6°C
  • Xanthorrhoea caespitosa: -8°C
  • Xanthorrhoea glauca: -6°C
  • Xanthorrhoea johnsonii: -8°C
  • Xanthorrhoea minor: -8°C
  • Xanthorrhoea preissii: -6°C
  • Xanthorrhoea quadrangulata: -6°C

Trotz der für Mitteleuropa nicht ausreichenden Frosthärte ist eine Überwinterung im Freien i.ü. durchaus möglich, da man Grasbäume auch mehrere Monate dunkel überwintern kann, was den Winterschutz stark vereinfacht.

HABITUS

Rhizom / Wurzelsystem
Grasbäume entwickeln ein fein-ausgebildetes, flaches, weitreichendes Wurzelwerk, um auch während längerer Dürrephasen noch Wasser aufnehmen zu können.
Wuchsform
Grasbäume bilden im Laufe vieler Jahre einen verholzenden, gelegentlich leicht verzweigten Stamm. Bei manchen Grasbaum-Arten befindet sich der Stamm (und der Vegetationspunkt) allerdings unter der Erde, wo er besser vor Buschfeuern geschützt ist.
Der Stamm besteht innen aus Fasermaterial und aussen aus alten Blattbasen, die von Naturharz zusammengehalten werden. Grasbäume haben ein sekundäres Dickenwachstum, das allerdings nur durch einen einzigen Kambiumring erfolgt.
Viele, aber nicht alle Grasbaumarten können Buschbrände überstehen. Hierbei schmilzt das Naturharz (Akaroidharz), fließt am Stamm herunter, verklebt dabei die Blattbasen und härtet dann unten am Stamm aus. So schützt sich der Baum (und das tief im Stamm verborgene Spitzenmeristem) bei Buschbränden. Sein Stamm ist durch den Ruß der Brände oftmals schwarz gefärbt (daher der englische Trivialname ‚Blackboy‘). Nach einem Buschbrand ist das sekundäre Dickenwachstum des Stamms meist dauerhaft stark eingeschränkt. Heisst: Grasbäume, die bereits in jungen Jahren einem Buschbrand ausgesetzt waren, haben i.d.R. auch einen dünneren Stamm.
Der botanische Gattungsname ‚Xanthorrhoea‘ leitet sich i.ü. vom griechischen ‚xanthos‘ für ‚gelb‘ und ‚rhoe‘ für ‚fließen‘ ab und bezieht sich auf das Harz. Gleichwohl kann das Harz bei bestimmten Arten auch rötlich oder bräunlich sein. Das Harz wird von den Aborigines gerne als Klebstoff verwendet.
Blätter
Grasbäume sind immergrüne, sukkulente, xerophyte (also extrem trockenheitsgewohnte) Pflanzen. Sie bilden pro Tag etwa 1-3 grashalm-artige Blätter, die je nach Art sehr lang und etwa 2-3 Jahre alt werden können. Abgestorbene Blätter werden nicht abgeworfen, sondern hängen oft wie ein Rock vertrocknet am Stamm herunter und schützen den Baum vor Verdunstung. Der ‚Rock‘ ist leicht entflammbar und ein beliebter Lebensraum für einheimische Säugetiere.
Manche Grasbäume haben über die Jahre derart viel abgestorbenes Blattmaterial am Stamm herunterhängen, dass sie unter der eigenen Last zusammenzubrechen drohen. Buschbrände sind hier gelegentlich die letzte Rettung, um das alte Blattmaterial ‚loszuwerden‘.
Um sich gegen Fressfeinde zu schützen, sondern die Blätter Gift mit betäubender Wirkung ab.
Blüten
Die meisten Grasbäume zählen zu den Feuerkeimern bzw. Pyrophyten, die vorzugsweise nach Buschbränden Blütenstände bilden. Nach einem Buschbrand ist der Boden durch die Asche sehr nährstoffreich und die Grasbaum-Keimlinge haben dann wenig pflanzliche Konkurrenz – also ideale Wachstumsbedingungen.
Die meisten Xanthorrhoea-Arten bilden ihren ersten Blütenstand frühestens im Alter von 5 Jahren. Nach der 1. Blüte blühen sie dann recht verlässlich Jahr für Jahr. Die Blütenstände können bis zu 10cm pro Tag wachsen. An den langen, kerzenähnlichen Blütenstanden bilden sich dann viele, kleine, zwittrige Blüten. Die Blütezeit variiert zeitlich je nach Art. Manche Arten blühen auch mehrmals pro Saison. Der Nektar der Blüten wird gelegentlich als süßes, alkoholisches Getränk zubereitet. Und der Blütenstand wird von den Aborigines gerne als Speer genutzt.
Nach der Blüte ruht der Baum über Monate oder gar Jahre. In der Zeit werden keine neuen Blätter gebildet. Auch eine zusätzliche Bewässerung oder Düngung hilft hier nicht. Möchte man das Wachstum fördern, sollten Blütenstände daher bereits bei Bildung abgeschnitten werden.
Früchte
Grasbäume bilden Kapselfrüchte mit jeweils etwa 3-6 Samen. Jeder Blütenstand kann bis zu 10.000 Samen produzieren. Die Samen bleiben etwa 5 Jahre keimfähig.

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