Veredelung von Pflanzen Gärtnern im Grenzbereich

Warum vermehrt man Obstpflanzen i.d.R. aufwändig per Veredelung, statt einfach z.B. die Obstkerne leckerer Früchte auszusäen?

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Veredelung: warum macht man das?

Das Verdeln ist eine künstliche Form der vegetativen Vermehrung. Welchen Sinn hat diese Form der Vermehrung?

Gregor Johann Mendel konnte 1865 (‚Mendelsche Regeln‘) anhand der japanischen Wunderblume nachweisen, dass die Kreuzung einer reinerbigen rotblühenden und einer reinerbigen weißblühenden Pflanze mischerbige rosablühende Töchter ergibt. Kreuzt man nun in der nächsten Generation diese mischerbigen Pflanzen miteinander, dann spalten sich die Erbanlagen wieder auf und man erhält etwa 25% reinerbig rotblühende, 25% reinerbig weißblühende und 50% mischerbig rosablühende Pflanzen. Generell wirkt sich die Kreuzung nicht nur auf die Blütenfarbe aus, sondern z.B. bei Obstpflanzen auch auf Geschmack, Ertrag, Haltbarkeit, Krankheitsresistenz usw..

Gängige Obstsorten sind derartige mischerbige Pflanzen, die, wenn man sie generativ vermehrt, vollkommen zufällige, neue Eigenschaften erhalten. Sät man also z.B. Kerne einer leckeren Frucht aus, so gibt es keine Sicherheit, dass die neu entstehende Pflanze genauso lecker ist.

Möchte man Pflanzen mit exakt den Eigenschaften der Mutterpflanze erzeugen, so ist man daher auf eine vegetative Vermehrung angewiesen. Da die Stecklingsvermehrung z.B. bei Obstbäumen schwierig ist, bleiben bei solchen Pflanzen nur Veredelungsverfahren.

Für das Veredeln gibt es mehrere Motivationen:

  • Vervielfältigung (= ‚Multiplikation‘) einer edlen Pflanze z.B. für den Verkauf
  • Erhalt einer edlen Pflanze über mehrere Generationen
  • Aufwerten einer edlen Pflanze durch eine Unterlage, deren Wurzelwerk z.B. frostresistenter, krankheitsresistenter oder leistungsstärker ist als das der edlen Pflanze

Veredelung: was ist das?

Im Prinzip handelt es sich beim Veredeln um die Transplantation eines Teiles einer edlen Pflanze (= Mutterpflanze mit vermehrenswerten Eigenschaften) auf eine andere Pflanze (= Unterlage). So entsteht quasi ein 1:1-Klon der Mutterpflanze auf dem Wurzelwerk einer anderen Pflanze.

Das Veredeln funktioniert nur bei Pflanzen mit für das Verwachsen der Pflanzenteile erforderlichem Kambium, wie es zweikeimblättrige Pflanzen und Nacktsamer besitzen. Einkeimblättrige Pflanzen sind daher per Veredelung nicht vermehrbar. Je enger die Verwandtschaft zwischen Unterlage und Mutterpflanze (= ‚Edelreis‘) ist, umso wahrscheinlicher ist das Zusammenwachsen der Pflanzenteile.

Veredelung: was für Methoden gibt es?

Es gibt 2 Arten der Veredelung: das Pfropfen und das Okulieren.

Manche Methoden können ausschließlich in der Vegetationszeit erfolgen (da sich z.B. die Rinde der Unterlage auf natürliche Weise etwas lösen muss), andere können jederzeit angewandt werden.

Die Chip-Veredelung (Chip-Budding / Plattenokulation / Span-Veredelung) beispielsweise ist eine Methode der Augenveredelung (Okulation). Im Winter schneidet man dazu einen 1-jährigen Edelreiser und lagert ihn im Kühlschrank ein. Im folgenden Frühjahr werden bei der Unterlage im Bereich der angedachten Veredelungsstelle die seitlichen Triebe entfernt. Anschließend wird die Unterlage ca. 2-3mm tief leicht schräg nach unten eingeschnitten. 3cm oberhalb des 1. Schnitts erfolgt ein 2. Schnitt etwas steiler schräg nach unten, so dass ein Keil herausgeschnitten wird. Den Edelreiser schneidet man nun an einem schlafenden Auge so an, dass ein Keil entsteht, der exakt in den Schnitt der Veredelungsstelle passt. Der Keil muss entsprechend von der einen Seite ca. 2-3mm und von der anderen Seite ca. 3cm angeschrägt sein. Steckt man nun den Keil des Edelreises in die Veredelungsstelle, so müssen diese so ineinanderpassen, dass das Kambium (grüne Schicht unter der Rinde) beider Teile direkten Kontakt hat. Die Stelle wird mit Bast oder Gummiband umwickelt. Bei der Veredelung im Frühjahr müssen die Schnittstellen zusätzlich mit Baumwachs versiegelt werden. Bei der Sommerveredelung ist das nicht erforderlich.


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