10 Jahre Exotengarten: Was geht? Was nicht? Exotengarten-KnowHow

10 Jahre Exotengarten-Erfahrung im frostigen München. Höchste Zeit für ein 1. Fazit: Was geht bei uns? Und was nicht?

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10 Jahre Exotengärtnern …

Probiert habe ich in den 10 Jahren botanisch so einiges, was die Natur an einigermaßen frostharten Exoten hergibt. Das Meiste hat glücklicherweise funktioniert, manches leider nicht so.
Was habe ich in den 10 Jahren Exotengarten für mich gelernt?

Allgemein Das Exotengärtnern ist immer ein Gärtnern im Grenzbereich.
Umso wichtiger, dass man bei Kauf, Auspflanzung, Schutz + Pflege der Pflanzen die richtigen Entscheidungen trifft.
Beim Kauf von Exoten wird oft die Qualität der Pflanzen vorne angestellt. Für mich steht die Wahl geeigneter Pflanzen an erster Stelle. Die richtige Sortenwahl bringt manchmal gerade die überlebenswichtigen 2-3° mehr an Frosthärte.
Bei der Pflanzung werden oft die richtige Bodenbeschaffenheit und eine anständige Drainage hervorgehoben. Ich für meinen Teil habe vorallem den richtigen Standort im Garten als essentiell wahrgenommen. Wer wie ich mal eine Yucca zu schattig oder einen Dicksonia antarctica zu sonnig gepflanzt hat, der weiß, wie Pflanzen bei schlechten Standort-Bedingungen kümmern.
Beim Thema Pflege hat bei mir ein Umdenken stattgefunden: habe ich zu Beginn gewässert + gedüngt, ‚bis der Arzt kommt‘, so habe ich nun das entschleunigte Exotengärtnern für mich entdeckt. Dabei geht es mir um ein nachhaltiges Exotengärtnern, aber auch um ein entschleunigtes Wachstum meiner Exoten, da man Pflanzen im Winter schlecht schützen kann, wenn sie zu groß werden. Meine eigene Faulheit also. Ich gebe es zu…
Beim Thema Schutz gibt es bei mir dagegen keine Kompromisse: die Exoten sollen den Winter bestmöglich überstehen. Das bedeutet auch, dass einige der Exoten im Winter beheizt werden müssen. Aus Nachhaltigkeitsaspekten sicher fragwürdig, aber für mich alternativlos. Trotzdem experimentiere ich Jahr für Jahr mit meinem Winterschutz: wie kann man Dinge vereinfachen oder auf das Wesentliche reduzieren?
Agaven, Palmlilien, Rauschöpfe + Bärengras Auch, wenn es einige gut-frostverträgliche Agaven-Arten gibt: ich habe Agaven als im Winter sehr nässeempfindlich wahrgenommen und hatte bis dato nur sehr mäßigen Erfolg mit deren dauerhafter Freilandhaltung. Für das 2. Exotengarten-Jahrzehnt habe ich mir hier aber noch etwas vorgenommen…
Yuccas sind dagegen ganz klar eine Top-Empfehlung für den Exotengarten. Sie sind extrem genügsam und kommen daher im Sommer (quasi) ohne Pflege aus. Und für den Winter gibt es auch unter den stammbildenden Yuccas einige ausreichend-frostharte + gut nässeverträgliche Arten. Diese Arten sind ganzjährig quasi Selbstläufer im Garten.
Rauschöpfe (Dasylirion) sind ähnlich Yuccas extrem genügsam. Im Sommer kommen auch sie ohne Pflege aus. Was die Überwinterung betrifft, ist der Daysilirium wheeleri ganz klar die beste (und vielleicht auch einzig sinnvolle) Rauschopf-Wahl. Er ist nicht nur gut-frosthart, sondern auch recht gut nässeverträglich.
Zur Freilandhaltung von Bärengras (Nolina) gibt es bei uns in Mitteleuropa bislang kaum Erfahrungswerte. Mein noch junges Experiment mit einer Nolina hibernica läuft aber sehr vielversprechend an…
Bambus + Gräser Bambusoideae (Bambus) ist so eine Sache: das Zeug wuchert wie verrückt, egal ob man eine ausläufer- oder horstbildende Art hat. Während man bei ausläuferbildenden Arten eine tief-verlegte Wurzelsperre braucht, um das Wurzelwerk im Zaum zu halten, ist dies bei horstbildenden Arten nicht zwingend erforderlich. Möchte man einen Bambus allerdings irgendwann versetzen oder entsorgen, so ist dies aufgrund des riesigen + widerstandsfähigen Wurzelstocks oft eine echte Herausforderung. Und wenn man den Wurzelstock nicht wirklich bis zum letzten Fitzel entfernt, kommt er wieder…
Da tut man sich mit Gräsern oft leichter. Wir haben seit Jahren Cortaderia selloana (Pampasgras) im Garten, was im Herbst bodennah zurückgeschnitten wird und den Winter dann ohne Schutz sicher überlebt. Unser Pampasgras wuchert auch nicht sonderlich und ist daher ein sehr pflegeleichter Exot in unserem Garten.
Baum- + Palmfarne Was Baumfarne betrifft, habe ich bislang nur mit dem Dicksonia antarctica Freiland-Versuche unternommen. Baumfarne sind extrem durstig. Man sollte sie in den Halbschatten / Schatten pflanzen, da andernfalls die überlebenswichtigen oberirdischen Wurzeln am Stamm schnell austrocknen. Im Winter tut man sich recht einfach: Baumfarne vertragen zwar nur leichten Frost, lassen sich aber recht einfach schützen, da sie eine mehr-monatige Dunkelüberwinterung gut verkraften.
Eine Freilandhaltung von Palmfarnen habe ich mir bis dato nicht zugetraut. Selbst die oft als extrem-frosthart beschriebene Panzhihua Sagopalme (Cycas panzhihuaensis) ist nur bis etwa -6°C frosthart. So ist eine dauerhafte Auspflanzung selbst für diese Art extrem aufwändig.
Grasbäume Meine Erfahrungen mit einem ausgepflanzten Xanthorrhoea johnsonii beschränkt sich bislang auf 1 Saison. Der strenge Winter 2020/21 hat mir aber gezeigt, dass man Grasbäume gut über den Winter bringen kann, auch, weil sie eine längere Dunkelüberwinterung sehr gut verkraften.
Kakteen Es gibt eine recht große Auswahl an ausreichend-frostharten Kakteen, insbesondere aus den Gattungen Opuntia, Echinocereus + Escobaria. Allerdings reagieren Kakteen i.d.R. sehr zickig auf zuviel Nässe im Winter. Ich sorge daher im Winter (inzwischen) konsequent für einen guten Nässeschutz: Kakteen bekommen ein Dach über den Kopf und – ganz wichtig! – der Wurzelbereich wird mit Plastikfolie ausgelegt. So bringt man Kakteen auch im Garten ausgepflanzt recht zuverlässig über den Winter.
Obstpflanzen Viele exotische Obstbäume werden in etwa mit einer Frosthärte von -15° angegeben. Damit sind sie gerade in den rauen Gegenden Deutschlands nicht verlässlich winterhart. Ich konnte allerdings erfreulicherweise feststellen, dass manche dann doch etwas frosthärter sind, als in der Literatur angegeben. Gute Erfahrungen habe ich z.B. mit Diospyros kaki (Kakibäumen) und Ziziphus jujuba (chinesische Dattel) gemacht, die ich seit vielen Jahren ohne Schutz gut über den Winter bekomme.
Ein ganz besonders frostharter exotischer Obstbaum ist die amerikanische Asimina triloba (Indianerbanane). Diese ist in Mitteleuropa wirklich winterhart, kommt also verlässlich ohne Winterschutz aus. Hinzu kommt, dass die fantastisch schmeckenden Früchte der Indianerbanane bei uns durchaus ausreifen können. Einzige Downside: bei Spätfrösten sind mir die Blüten z.T. erfroren. Aber das Risiko besteht ja bei viele Obstpflanzen. Eine Asimina triloba kann ich jedem Gärtner nur wärmstens ans Herz legen.
Ebenfalls verlässlich winterhart ist die Poncirus trifoliata (Bitterzitrone), eine nahe Verwandte der Zitrone, die wie diese knall-gelbe, allerdings recht bitter-schmeckende Früchte bildet.
Spricht man von exotischen Obstbäumen, so denken viele sofort an Olea europaea, also Olivenbäume. Auch diese lassen sich bei uns dauerhaft im Garten ausgepflanzt kultivieren. Aber Olivenbäume sind kleine Zicken: ist es Ihnen zu heiss / zu kalt, zu trocken / zu feucht oder zu dunkel, reagieren sie schnell mit Blattwurf. Gerade die Überwinterung im Garten ist daher leider nicht ganz trivial.
Palmen Palmen sind definitiv der Inbegriff von exotischer Bepflanzung. Wann immer Leute meinen Garten in Augenschein genommen haben: der erste Blick galt immer den Palmen.
Meine Trachycarpus fortunei (Hanfpalmen) haben sich hierbei über die Jahre super geschlagen: sehr fehlertolerant, keine Krankheiten und auch im Winter überraschend hart im Nehmen. Eine Hanfpalme macht einfach Spaß!
Rankpflanzen Ich liebe stammbildende Pflanzen. Von daher waren und sind Rankpflanzen bei mir eher immer eher schmuckes Beiwerk.
Clematis + Akebia quinata (Klettergurke) haben sich hierbei als verläßlich winterhart erwiesen.
Passiflora (Passionsblumen) sind dagegen leider etwas frost-kritischer. Meist sind sie mehrere Saisons gut über den Winter gekommen und haben dann plötzlich einen Winter nicht überlebt. Sehr ärgerlich. Glücklicherweise kann man sich zur Sicherheit vor dem Winter ja per Steckling einige Ableger machen. I.ü.: immer wieder wird die wunderschöne Passiflora incarnata als frosthärteste Passionsblume angepriesen. Pustekuchen! Die klassische Passiflora caerulea ist die beste Wahl in deutschen Gärten.
Sonstige Exoten Mit was für Exoten habe ich mich sonst noch beschäftigt?
Da ist zunächst mal der Klassiker: ein Nerium oleander (Oleander), allerdings nicht – wie allgemein üblich – in Kübelhaltung, sondern – wie immer bei mir – in dauerhafter Freilandhaltung. Das hat in Summe gut funktioniert (vgl.:Erfolgsgeschichte Oleander). Auch, wenn der Oleander im Frühling das eine oder andere Mal nach einem frostigen Winter zunächst etwas verdörrt da stand…
Sehr gespannt war ich auch, ob man eine Albizia julibrissin (Seidenakazie) bei mir im Garten kultivieren kann. Sie wird in der Literatur mit einer Frosthärte von -15° angegeben. Meine Seidenakazie hat nun 5 Winter mit leichtem Passivschutz unbeschadet überstanden. Es scheint zu klappen!
Mit Eukalyptus-Bäumen hatte ich nur durchwachsenen Erfolg: ein Eucalyptus gunnii ist mir erfroren und ein Eucalyptus neglecta stark zurückgefroren. Nur der Eucalyptus pauciflora scheint quasi-winterhart.

… und wie gehts weiter?

Auch nach 10 Jahren hat sich das Hobby ‚Exotengärtnern‘ nicht abgenutzt. Im Gegenteil: es gibt immer noch jede Menge zu lernen + experimentieren. Ich habe daher das Gefühl, das Exotengärtnern nimmt einen Saison für Saison noch mehr ein. Und das fühlt sich extrem gut an. 🙂
Und es geht auch gleich schon wieder gut los: im April 2021 ist mein Garten im Fernsehen. Und im Mai 2021 erfüllen wir uns einen lang-gehegten Traum: einen eigenen Pool im Garten.

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