Chinesische Hanfpalme: Steckbrief Trachycarpus Fortunei

Gemeinhin hält sich der Irrglaube, alle Palmen stammen aus den tropischen Gebieten der Erde und sind daher zum Auspflanzen im eigenen Garten für unsere Regionen gänzlich ungeeignet. Insbesondere die chinesische Hanfpalme (Trachycarpus Fortunei) lehrt uns hier eines Besseren.

Steckbrief: Pflanzenart
CHINESISCHE HANFPALME
(Trachycarpus fortunei)

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SYSTEMATIK

Die chinesische Hanfpalme – wegen ihres natürlichen Vorkommens in Tessin (Schweiz) auch Tessinerpalme genannt – ist eine stammbildende immergrüne Fächerpalme, die innerhalb der Familie der Palmengewächse (Arecaceae) zur Gattung der Hanfpalmen (Trachycarpus) gehört. Bis 1861 wurde die Palme noch ‚Chamaerops Excelsa‘ bezeichnet, bis 1931 ‚Trachycarpus Excelsa‘ und seitdem ‚Trachycarpus Fortunei‘.

SystematikName
AbteilungGefäßpflanzen (Tracheophyta)
KlasseBedecktsamer (Magnoliophyta)
Ordnungpalmenartige Pflanzen (Arecales)
FamiliePalme (Arecaceae)
GattungHanfpalme (Trachycarpus)
Artchinesische Hanfpalme (Trachycarpus Fortunei)

In der Gattung der Hanfpalmen gibt es in Summe 10 Arten:

  • Trachycarpus fortunei
  • Trachycarpus geminisectus
  • Trachycarpus latisectus
  • Trachycarpus martianus
  • Trachycarpus nanus
  • Trachycarpus oreophilus
  • Trachycarpus princeps
  • Trachycarpus ravenii
  • Trachycarpus taki
  • Trachycarpus ukhrulensisn

Kulturformen wie z.B. die ‚Trachycarpus fortunei wagnerianus‘ (‚Bayernpalme‘) oder die ‚Trachycarpus manipur‘ gelten nicht als eigene Art.
Neben Kulturformen werden in einschlägigen Foren immer wieder Unterarten diskutiert, die sich bzgl. Habitus leicht, aber signifikant vom Original unterscheiden, bei der Fortunei z.B. Chaubattia, Chusan, Hasan, Kumaon, Misan, Tesan oder Winsan. Dabei entstehen zwischen den Gelehrten zum Teil heftige Diskussion, was denn nun echte Unterarten sind und was nicht. Fakt ist: reinrassige Trachycarpus-Arten gibt es kaum noch, weil sie sich gegenseitig befruchten + entsprechend hybridisieren. Auch ein Grund, warum Hanfpalmen bzgl. Habitus z.T. erheblich variieren.

HERKUNFT / VERBREITUNG

Ursprünglich stammt die Hanfpalme vermutlich aus den subtropischen Bergregionen Zentral- und Ostchinas. Heimisch ist die chinesische Hanfpalme vom Himalaya in Nord-Indien bis nach Nord-Thailand und China und wächst dort in Höhenregionen bis zu 2500m.
Wie sich das Klima dort gegenüber unserem Klima darstellt, zeigt der Klimavergleich.
Dauerhaft können sich Hanfpalmen nur dort etablieren, wo die Wärmesumme (= kumulierte Tagesgrade über 5°C) über 2.000° liegt + die Durchschnittstemperaturen des kältesten Monats verlässlich über +2°C liegen.

EIGENSCHAFTEN

Wachstum
Die Trachycarpus Fortunei kann bis zu 15m hoch werden. Die Wagnerpalme wird demgegenüber nur etwa 5m groß. Ideale Wachstumsbedingungen herrschen bei Temperaturen zwischen 15 und 20°C, bei mehr als 12h Tageslicht. In dem Fall sind bei entsprechender Pflege für etablierte, gesunde Hanfpalmen Stammzuwächse bis zu 30cm und bis zu 15 neue Wedeln pro Jahr realistisch.
Weibliche Hanfpalmen wachsen langsamer als männliche, junge wachsen langsamer als ältere, neu Ausgepflanzte langsamer als Etablierte.
Frosthärte
Generelle Frosthärte-Informationen zur Hanfpalme finden sich hier.

HABITUS

Rhizom / Wurzelsystem
Trachycarpus Fortunei sind Flachwurzler. Das Wurzelsystem dehnt sich (je nach klimatischen und Boden-Bedingungen) nach einigen Jahren weit über den Durchmesser der Blattkrone aus. Die Wurzeln gehen z.T. bis ca. 3m in die Tiefe. Aus der Stammbasis entspringen mehrere Adventivwurzeln, die sich im Boden weit verzweigen und in dünnen Haarwurzeln münden. Monocotyledone (einkeimblättrige) Pflanzen, zu denen die Hanfpalme gehört, haben im Gegensatz zu Bäumen und Sträuchern kein sekundäres Dickenwachstum. Die Adventivwurzeln werden daher im Laufe der Jahre nicht kräftiger.
Ab einem Alter von etwa 10 Jahren lösen sich bei Hanfpalmen unten am Stammansatz die Hanffasern und die alten Blattbasen und es bilden sich mehrere Zentimeter lange, freiliegende Wurzeln, sogenannte Luftwurzeln. Es handelt sich hierbei um einen ganz natürlichen Vorgang, dem man als Gärtner keine weitere Beachtung schenken muss.
Wuchsform
Der Stamm der Hanfpalme ist mit braunen Fasern bedeckt und erreicht bei ausgewachsenen Pflanzen eine Höhe bis ca. 10m, einen Umfang bis ca. 1m und einen Durchmesser bis ca. 35cm. Im Alter verliert die Hanfpalme oftmals im unteren Stammbereich die Blattbasen und Fasern und hat dann nur noch einen Stamm-Durchmesser von ca. 20-25cm.
Das Dickenwachstum des Stamms ist ca. mit einem Alter von 10 Jahren und einer Stammhöhe von etwa 1m abgeschlossen. Da es bei Palmen danach kein weiteres (sogenanntes sekundäres) Dickenwachstum gibt, bildet der Stamm keine Jahresringe, wie man es von einheimischen Gehölzen kennt. Erst, wenn der Stamm seine endgültige Stammdicke erreicht hat, wird das Stammwachstum in die Höhe forciert. Je dicker der Stamm wird, desto winterhärter ist die Palme einzustufen. Bei Palmen bis zu einer Stammhöhe von ca. 1m erkennt man eine robuste Palme daran, dass der Stammumfang in etwa der Stammhöhe entspricht.
Alle Palmen haben im Gegensatz (zu den meisten anderen Pflanzen) nur einen Vegetationspunkt (= Zone, von der aus Sprosse + Wurzeln entwickelt werden), der am Palmenherz sitzt. Das Palmenherz (Meristem) befindet sich ca. 30-60cm unterhalb des Wachstumsöffnung (Apex). Bei langsam wachsenden Palmen liegt das Meristem höher, bei schnell wachsenden Exemplaren tiefer.
Formal ist der Stamm der Palme nur der verholzte Teil unterhalb des Meristems. Der leicht-flexible Bereich oberhalb des Meristems bis zur Wachstumsöffnung wird als Scheinstamm bezeichnet und besteht nur aus verschachtelten Blattbasen. In Kaufanzeigen wird i.d.R. der gesamte Bereich zwischen Wurzelwerk und Wachstumsöffnung – also Stamm und Scheinstamm zusammen – als Stammhöhe angegeben.
Wurzelsystem und Meristem sind über Leitbahnen verbunden. Das Wurzelsystem pumpt über die Leitbahnen unermüdlich Nährstoffe ins Palmenherz, wo neue Wedel / Blätter entstehen.
Blätter
Die Blattkrone kann im Alter aus weit über 50 Wedeln bestehen. Die Petiolen können bis zu 1m lang werden. Die Wedel bestehen aus ca. 40 bis 50 Segmenten und können ebenfalls bis zu 1m lang werden.
Die Wagnerpalme hat demgegenüber kleinere (bis 50cm) und steifere Wedel. Damit ist sie insbesondere in windigen Gegenden geeignet, wo die normale Hanfpalme oftmals etwas zerzaust aussieht.
Blüten
Hanfpalmen blühen im April / Mai, erstmals in einem Alter von etwa 10 Jahren mit einer Stammhöhe zwischen 0.5 und 1.5m. Mehrere Blütenstände schieben sich dann etwa 20-50cm unterhalb der Wachstumsöffnung auf allen Seiten des Stamms heraus.
Man liest immer wieder, eine blühende Palme seie ein Indiz, dass es ihr gut geht. Das ist so nicht ganz richtig. Da die Blüten bereits im Herbst des Vorjahres angelegt werden, ist eine blühende Palme nur ein Indiz, dass es ihr im Herbst des Vorjahres womöglich gut ging. So sieht man im Frühjahr – insbesondere nach einem harten Winter – gelegentlich Hanfpalmen, die zwar blühen, deren Wedel aber arg mitgenommen aussehen.
Trachycarpus Fortunei sind zweihäusig getrenntgeschlechtlich. Um zu fruchten, benötigt man daher männliche und weibliche Pflanzen. Männliche Hanfpalmen blühen etwa 1-2 Wochen vor den weiblichen. Ob es sich um ein männliches oder weibliches Exemplar handelt, lässt sich verlässlich erst erkennen, wenn die Blütenstände zum Vorschein kommen (s.a.: chinesische Hanfpalme: Bestimmung des Geschlechts).
Die Bestäubung erfolgt i.d.R. durch den Wind. Stehen männliche und weibliche Hanfpalmen zu weit auseinander, so bietet es sich an, die Blütenstände der männlichen Hanfpalmen abzuschneiden und sie etwas oberhalb der Blütenstände der weiblichen Hanfpalmen zu fixieren. Zusätzlich kann man bei der Befruchtung natürlich auch manuell nachhelfen. Dazu sammelt man männlichen Blütenstaub (durch leichtes Schütteln am Blütenstand) und verteilt ihn durch Pusten über einem weiblichen Blütenstand. Bienen spielen bei der Bestäubung i.ü. keine Rolle, da sie nur männliche Blüten anfliegen. Die weiblichen Blüten werden nicht angeflogen, da sie weder Nektar noch Pollen enthalten.
Früchte
Die Früchte sind zunächst grün, später gelblich und schließlich ausgereift blau-violett. Ausgereift sind dann essbar und schmecken recht süß. Die Früchte sind rundlich und werden bis zu 2cm groß, haben allerdings wenig Fruchtfleisch, da sie einen recht großen Kern besitzen.
An den Fruchtständen findet man immer wieder auch unbefruchtete Pseudofrüchte, gut zu erkennen an ihrer leicht schrumpeligen, 3-geteilten Form (im Gegensatz zu den hamobisch runden befruchteten Früchten). Pseudofrüchte sind nicht keimfähig. Während völlig unbefruchtete Blütenstände seitens der Hanfpalme sehr zeitig nicht mehr versorgt werden und dann vertrocknen, bildet die Hanfpalme bei schwach befruchteten Blütenständen Pseudofrüchte aus, um der Palme ausreichend zu signalisieren, dass der Blütenstand ausreichend versorgt ist und weiter versorgt werden soll.
Selten bilden sich aus 1 Blüte auch 2 oder gar 3 (befruchtete) Früchte. In diesem Fall sind alle 3 Karpelle (Fruchtblätter) der Blüte befruchtet worden. I.d.R. ist dann 1 Frucht besser ausbildet als die anderen.
Will man den Samen zur Vermehrung nutzen, sollten die Früchte idealerweise an der Palme bleiben, bis sie nahezu vertrocknet sind. Im zeitigen Frühjahr können die Früchte dann geerntet und zur Keimung gebracht werden (siehe auch: Keimung von Palmensamen). Falls starke Fröste unter -15°C drohen, sollte man die Früchte schützen oder vorzeitig ernten. Mit etwas Glück keimen aber auch bereits im Oktober / November geerntete grüne Früchte.

6 comments on “Chinesische Hanfpalme: Steckbrief Trachycarpus Fortunei
  1. Erwin Stirn sagt:

    Hallo ich habe eine Frage! ich habe eine Hanfpalme von einer
    höhe von 6m und einen Stamm von 40cm unten jetzt die Frage
    die Palme wächst 80cm von der Hausgasleitung die aus 1″ Stahl-
    leitung besteht kann eine Gefahr entstehen das die Gasleitung
    einen Schaden davon trägt und mein Haus vieleicht in die Luft
    fliegt?
    Mfg Erwin Stirn

    • tom sagt:

      Hallo Erwin,
      für derartige Fragen bietet sich das Forum an. Hier könntest Du ein entsprechendes Thema eröffnen:
      https://exotengaertner.de/forum/forum/palmen/
      In aller Kürze dennoch eine Antwort: Hanfpalmen stellen i.d.R. keine Gefahr für Leitungen dar, da sie relativ dünne Wurzeln haben, die auch mit der Zeit nicht kräftiger werden (kein sekundäres Dickenwachstum!).
      Gruß aus München
      Tom

  2. Frank Lieske sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    An meiner Hanfpalme die ich jetzt den 2. Sommer im Kübel pflege, bricht der braune Bast am Stamm, unmittelbar über der der Erde auf und es erscheinen ringsum den Stamm Ansätze von „Luftwurzeln?“
    Was muss ich in dem Fall tun? Ist das ein Hinweis die Palme umzutopfen? Die Palme hat eine Stammlänge von ca. einem Meter.
    Vielleicht haben Sie mir einen Tipp.
    Für eine kurze Antwort wäre ich Ihnen dankbar.

    Mit freundlichen Grüßen
    Frank Lieske

    • tom sagt:

      Hallo Frank,
      Luftwurzeln sind prinzipiell kein Problem und entstehen auch bei älteren, dauerhaft-ausgepflanzten Hanfpalmen. Inwieweit Du trotzdem umtopfen solltest, kann ich leider ohne Foto schwer beurteilen.
      Gruß
      Tom

  3. Sabine Unterste-Bahrenberg sagt:

    Ich habe seit vielen Jahren eine Hanfpalme im Erdreich eingepflanzt. Mittlerweile ist sie so groß geworden, dass sie auf meinen Kastanienbaum trifft. Ich möchte die Palme gerne umpflanzen. Ich habe allerdings angst, dass beim ausbuddeln Wurzeln beschädigt werden könnten. Worauf muss ich achten. Der Stamm der Palme ist über einem Meter hoch und mit den Blättern ist die Palme fast drei Meter hoch.

    • tom sagt:

      Hallo Sabine,
      hier meine Gedanken / Empfehlungen:
      1. bitte warte mit dem Umpflanzen bis nächstes Jahr (bis kein tieferer Frost mehr zu erwarten ist)
      2. Eine Hanfpalme ist eher ein Flachwurzler. Trotzdem können etablierte Hanfpalmen auch bis zu 1m tief wurzeln.
      3. Versuch, den Wurzelballen so groß wie möglich auszuheben. Du solltest den Wurzelbereich Minimum 50cm breit und tief, besser noch breiter, ausheben.
      4. Je kleiner Du den Wurzelballen ausstichst, umso länger braucht die Palme, bis sie weiter wächst.
      Liebe Grüße
      Tom

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